Allianz für Weiterfahren mit Bildungsreform Harmos im Baselbiet

Noch vor kurzem drohte der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich mit seinem Rücktritt. Jetzt schart er bereits wieder eine breite Allianz für die Bildungsreform Harmos hinter sich. Und diese ist sich in einem Punkt einig: Das Baselbiet dürfe die Bildungsreform Harmos ja nicht abbrechen.

Portraitbild von Urs Wüthrich, der von links nach rechts blickt, aufgenommen 2011.

Bildlegende: Kämpft mit breiter Allianz für Fortführen von Harmos im Baselbiet - Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP) Keystone

Den Ort für seine Pressekonferenz hatte Der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich offensichtlich ganz bewusst gewählt: Die Aula der Sekundarschule Frenkendorf. Dort liess er einen Tisch neben dem anderen aufstellen, damit überhaupt alle Rednerinnen und Redner Platz fanden. Besser hätte er das Bild einer breiten Allianz kaum transportieren können. Einer breiten Allianz für die Harmonisierung der Schulsysteme, die Bildungsreform mit dem Namen Harmos.

Diese demonstrative Einigkeit erfolgte trotz teils kritischer Töne. Den Ausstieg des Baselbiets aus dem Konkordat zur Schulharmonisierung will eine im Februar lancierte Initiative. Und am 12. Juni wies der Landrat eine Vorlage zur Umsetzung des Sonderschulkonkordats an die Regierung zurück. Kritik äusserten auch Parteien und Lehrerkreise.

Gegensteuer gab Bildungsdirektor Urs Wüthrich mit seiner Allianz nun an einer Medienkonferenz in Frenkendorf. Am gemeinsamen Auftritt nahmen ausser ihm auch Spitzenvertreter der Schulleitungskonferenzen von Primar- und Sekundarstufe, der Amtlichen Kantonalkonferenz der Lehrerinnen und Lehrer (AKK), des Verbands Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG), der Wirtschaftskammer Baselland und der Handelskammer beider Basel teil.

Auch Wirtschaftsverbände und Gemeindeverband für Harmos

Die Bildungsharmonisierung werde nicht für die Schule, sondern für die Gesellschaft gemacht, sagte Bildungsdirektor Wüthrich. Er verwies auf den Verfassungsauftrag zur Schulharmonisierung, der auch für Nicht-Harmos-Kantone verbindlich sei, und die entsprechenden Volksentscheide in der Nordwestschweiz. Die Angleichung der Schulstrukturen von Basel-Stadt und Baselland habe einen regionalen Standortnachteil endlich beseitigt. Wüthrich bekräftigte für die weitere Umsetzung den Grundsatz «Sorgfalt vor Tempo». Der Entscheid über den Zeitpunkt der Einführung des umstrittenen Lehrplans 21 steht allerdings noch aus.

Trotz aller Kritik am Lehrplan dürfe das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden, wandte sich Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser gegen einen Harmos-Austritt: Sonst würde danach der Bund Einfluss nehmen. Ein Austritt würde die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaftsregion schwächen und die bisherigen Anstrengungen des Kantons in Frage stellen, sagte zudem Handelskammerdirektor Franz Saladin. Auch Christine Mangold vom Vorstand des VBLG sähe es als «Hüsch und Hott» und nicht als sinnvoll, jetzt schon wieder über einen Austritt zu diskutieren.

Lehrerinnen und Lehrer uneins

«Ja, aber» zu Harmos sagt derweil der Präsident der amtlichen Kantonalkoferenz der Lehrerinnen und Lehrer, Ernst Schürch: Er bekenne sich zur Harmonisierung, fordere aber nach wie vor deutliche Verbesserungen bei der Umsetzung. So brauche die Umsetzung vor alllem mehr Zeit, Ressourcen und genügend Räume.

Harsche Kritik übte indes der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland (LVB). Er war an der Medienkonferenz nicht zugegen, liess aber ein Communiqué verteilen. Die Harmonisierung sei ein zu grosses Projekt für den Kanton und überfordere alle Beteiligten vom Landrat über die Kantonsfinanzen bis zu den Schülern. Harmos biete Schülern kaum Mehrwert, hiess es im Papier unter anderem und es sei ein «gigantisch teurer Etikettenschwindel, ausgetragen auf dem Buckel von Lehrkräften und Steuerzahlenden». Der LVB hatte die Harmos-Umsetzung schon früher kritisiert, zur Ausstiegsinitiative aber keine Empfehlung abgegeben. Das Komitee «Starke Schule Baselland», das die Ausstiegsinitiative sowie eine Initiative zur Ausbildung der Sekundarlehrkräfte lanciert hatte, teilte am Montag mit, die Begehren stünden «für die Einreichung bereit».

(sda/racc/klem Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)