Baselbieter Ärzte tolerieren Grippeimpfungen in Apotheken

Rund 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung lassen sich gegen die Grippe von ihrem Hausarzt impfen. In einem Pilotprojekt bieten neu auch drei Baselbieter Apotheker Grippeimpfungen an. Bei den Ärztinnen und Ärzten im Kanton sieht man den Versuch sehr gelassen.

Ein Mann hält Spritzen.

Bildlegende: Apotheker Hans-Peter Steiner bietet neu auch Grippeimpfungen an. SRF/Sedrik Eichkorn

Es herrscht reger Betrieb in einer Apotheke im Kern von Birsfelden. Neben den üblichen Medikamenten bietet der Filialleiter, Hans-Peter Steiner, neu auch Grippeimpfungen an. Die Spritze wird gleich in der Apotheke gesetzt: «Es ist gut angelaufen. Pro Tag kommen sich rund vier Leute impfen», sagt Steiner.

Neben der Apotheke in Birsfelden gibt es dieses Angebot auch in einer Apotheke in Liestal und in Ettingen. Neu ist, dass Apotheker den Impfstoff selber verabreichen können. Bisher musste dies immer ein Arzt tun. Dazu braucht der Apotheker von der Baselbieter Gesundheitsdirektion eine entsprechende Bewilligung. Dafür verlangt die Behörde, dass der Apotheker unter anderem einen Impf-Kurs besucht. Darin wird auch der Umgang mit Notfällen gelehrt. Hans-Peter Steiner fühlt sich gewappnet: «Wir bieten die Impfungen mit gutem Gewissen an.»

Ziel sei es, so die Impfquote zu erhöhen. Gerade für jüngere und gesunde Leute sei es viel einfacher, sich ohne Termin bei einem Apotheker impfen zu lassen als beim Hausarzt. Erfahrungen im Ausland zeigen, dass sich mit solchen Angeboten mehr Leute impfen lassen.

«  Wir begrüssen alle Anstrengungen, um die Impfquote zu erhöhen. »

Jürg Jutzi
Vorstandsmitglied der Ärzte-Gesellschaft Baselland

Dieser Schritt wird auch von den Baselbieter Ärzten unterstützt. Jürg Jutzi, Vorstandsmitglied der Ärzte-Gesellschaft Baselland und selbst Hausarzt in Bubendorf sagt: «Wir begrüssen alle Anstrengungen, um die Impfquote zu erhöhen.» Medizinische Bedenken habe er keine. Er sehe in den impfenden Apothekern auch keine Konkurrenz: Diese würden jüngere und gesunde Menschen ansprechen und nicht das typische Klientel von Hausarztpraxen. Ältere und gebrechliche Menschen werden sich wohl weiter bei ihrem Hausarzt impfen lassen.

Paradigmenwechsel

Ist das Pilotprojekt erfolgreich, sollen Grippeimpfungen vermehrt auch in Apotheken angeboten werden. Ziel sei es, dass bis in zwei Jahren rund die Hälfte der Baselbieter Apotheker auch impfen, sagt Urs Gmünder, Präsident des Apothekerverbands Baselland. Und er fügt an, dass sich das Modell wohl in der ganzen Schweiz etablieren werde. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem Paradigmenwechsel.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)