Baselbieter Gemeinden kämpfen um mehr Einwohner

Die Oberbaselbieter Gemeinden Läufelfingen und Niederdorf planen neue Überbauungen, um mehr Leute in den Ort zu holen. Sie brauchen Steuerzahler, um die hohen Pflegekosten und die Sanierung der Pensionskasse stemmen zu können. Doch das Anwerben von Leuten gestaltet sich schwierig.

Das Modell einer Wohnsiedlung im Grünen

Bildlegende: Wohnen im Grünen: in Baselbieter Gemeinden nicht nur beliebt zVg

«Bisher ist keine einzige Wohnung verkauft», so Hans Zwimpfer, Architekt und Bauherr der neuen Überbauung in Niederdorf. «Ich wusste von Anfang an, dass es schwierig wird. Die Leute ziehen einfach nicht dort hin.» Die Gemeinde müsse sich stärker engagieren und den Ort bewerben, findet Hans Zwimpfer. «Zum Beispiel müsste sie im Internet präsent sein und mehr Infrastruktur bereitstellen, etwa Läden.»

«  Die Leute ziehen einfach nicht dort hin. »

Hans Zwipfer
Architekt und Bauherr

Dem Gemeindepräsidenten von Niederdorf, Andreas Buser, entlockt diese Forderung nur ein müdes Lächeln. «Wir haben kein Geld für Marketing, und es ist nicht die Aufgabe der Gemeinden, Läden zu bauen.» Dass die neue Überbauung keinen Anklang findet, erklärt sich Buser damit, dass der Trend im Moment Richtung Stadt und Agglomeration gehe. «Wenn die Leute nicht aufs Land ziehen wollen, dann ist das halt so.»

Wohnungen bauen reicht nicht

Etwas optimistischer ist der Gemeindepräsident von Läufelfingen, Dieter Forter. Er sei sich bewusst, dass es nicht reiche, Wohnungen zu bauen. «Es braucht einen Effort und das Gesamtpaket muss stimmen.» Läufelfingen bemühe sich deshalb, das Dorfzentrum aufzuwerten, attraktive Läden anzubieten und im Internet präsent zu sein.

Doch auch in Läufelfingen ist bisher keine einzige Wohnung verkauft. Er sei aber sehr zuversichtlich, dass Bedarf bestehe, so Forter. «Viele ältere Leute im Dorf, die in Einfamilienhäuser wohnen, wollen nicht direkt ins Altersheim, sondern in eine Wohnung.» Die neue Überbauung richte sich hauptsächlich an Senioren, die in einer Alterssiedlung leben wollen. In die frei gewordenen Einfamilienhäuser sollen dann neue Familien einziehen.

Optimistisches Läufelfingen, konsterniertes Niederdorf

Läufelfingen hofft, dass 2016 mit dem Bau angefangen werden kann. Und Niederdorf will noch bis Ende des Jahres zuwarten. Sollten sich bis dann noch immer keine Interessenten gefunden haben, werde das Projekt neu überdacht. Sollte die Überbauung nicht zustande kommen, sei dies kein Drama, meint Gemeindepräsident Andreas Buser. «Zumindest solange der Finanzausgleich nicht verändert wird.» Doch genau dies steht im Moment zur Debatte. Es ist offen, wie viel Geld die ärmeren Gemeinden in Zukunft noch erhalten werden.

(Regionaljournal, 17.30 Uhr)