Baselbieter Wirtschaftsoffensive zieht keine «dicken Fische» an

Die Baselbieter Regierung zieht eine positive Zwischenbilanz zum bisherigen Resultat ihrer Wirtschaftsoffensive. Wichtige Firmen hätten im vergangenen Jahr zahlreiche neue Stellen geschaffen und viel investiert. Grosse Erfolge ihrer Wirtschaftsoffensive kann die Regierung jedoch nicht vermelden.

Produktionsanlage mit Arbeiter

Bildlegende: Der Wirtschaft im Baselbiet geht es gut. Im Bild: Die Produktionsanlage von Ricola in Laufen. Keystone

Wegen der derzeit optimistischen Konjunkturlage kann der Kanton Baselland gute Wirtschaftszahlen präsentieren. Die ansässigen Unternehmen investieren und schaffen neue Arbeitsplätze. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ursprünglich formulierten Ziele der Wirtschaftsoffensive nicht erreicht werden.

Ziel der Wirtschaftsoffensive verfehlt

Insbesondere der erhoffte Zuwachs von neuen Firmen aus dem Ausland oder aus anderen Regionen der Schweiz ins Baselbiet ist bislang ausgeblieben. Eine Ausnahme bildet die Firma Jaquet AG, die vor kurzem bekannt gegeben hatte, ihren Firmensitz nach Pratteln zu verlegen. Marc-André Giger, Delegierter des Regierungsrates Wirtschaftsförderung Basel-Landschaft relativiert allerdings dieses Resultat: «Ich würde weniger von einer spektakulären Neu-Ansiedlung als vielmehr von einer geglückten Form der Bestandespflege in der Region sprechen.»

Regierungsrätliche Selbstkritik

Baudirektorin Sabine Pegoraro, die in der Startphase verantwortlich für die Wirtschaftsoffensive war, gibt sich selbstkritisch: «Die ersten Ziele waren etwas ehrgeizig gesetzt und wir haben den Zeitfaktor unterschätzt.» Insbesondere raumplanerische Fragen hätten mehr Zeit in Anspruch genommen als vermutet. Wichtig sei aber, so Pegoraro, dass die nun getroffenen Massnahmen nun stimmten.

«  Die dicken Fische ziehen am Baselbiet vorbei. »

Thomas Weber
Regierungsrat

Dass grosse Firmen sich im Baselbiet ansiedeln könne man nicht erwarten, diese Erfahrungen machten auch andere Wirtschaftsgebiete in der Schweiz.«Die dicken Fische ziehen am Baselbiet vorbei», sagt Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber.

SVP Baselland als Investitionskiller

In diesem Zusammenhang kritisiert Thomas Weber (SVP) auch seine eigene Partei. Die SVP-Baselland hatte im letzten Jahr die ecopop-Initiative unterstützt. «Mit der Drohkulisse ecopop wurde das Investitionsklima im letzten Jahr abgewürgt.»

Die Baselbieter Regierung hatte ihre Wirtschaftsoffensive 2012 lanciert. Mit der Offensive soll die Wirtschaft gestärkt und unter anderem der Anteil der Unternehmenssteuern am Gesamtertrag von heute 10 auf 15 Prozent oder mehr gesteigert werden. Heute rechnet die Regierung nur noch mit einem Anstieg auf 13 Prozent.

Grosses Interesse an Welcome-Desk

Zur Wirtschaftsoffensive gehört auch eine kundenfreundliche Betreuung von Interessenten über einen Welcome-Desk. Dieser hat innert 15 Monaten insgesamt 155 Anfragen gezählt. Die Mehrzahl kam von Firmen aus den Biowissenschaften und der Pharmabranche. Die Hälfte davon war bereits im Baselbiet ansässig.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)