Basels Strassenstrich macht Probleme

Lange Jahre machte der Strassenstrich im Kleinbasel keine Probleme. In der «Toleranzzone» im Bereich Ochsengasse, Webergasse und Teichgässlein dürfen Frauen legal anschaffen und die Anwohnerinnen und Anwohner tolerierten dies. In den letzten Jahren ist die Situation jedoch aus dem Ruder gelaufen.

Frau auf der Strasse, wartet auf Freier

Bildlegende: Anschaffen im Kleinbasel: Die Anwohner empfinden die Situation als unhaltbar. Keystone

«Als ich hier her gezogen bin, war die Situation noch angenehm. Es war ein lebendiges Quartier. Heute aber ist die Lebensqualität stark beeinträchtigt», beschreibt Anwohner Hanspeter Mösch. «Es sind wahnsinnig viele Frauen, die sehr aggressiv um Kundschaft werben», beschreibt auch Anwohnerin Irène Thiriet. Seit der erweiterten Personenfreizügigkeit kommen Frauen aus Osteuropa, die nur für sehr kurze Zeit in Basel anschaffen. Weil so viele Frauen um die Freier buhlen, schaffen sie auch ausserhalb der Toleranzzone an und der Konkurrenzkampf zwingt sie zu aggressiven Vorgehensweisen. «Sie sprechen mich nicht nur an, sondern berühren mich auch oder versperren mir den Weg», so Hanspeter Mösch.

«  Es ist hier richtig 'grusig' geworden. »

Irène Thiriet
Anwohnerin

Es gehe aber nicht nur um die Frauen, sondern auch um die Freier, so Irène Thiriet. «Sie urinieren überall hin, erledigen gar ihre Notdurft in Hauseingängen. Es ist hier richtig 'grusig' geworden.»

Bis zu 70'000 Franken Mieteinnahmen

Das Problem sei insbesondere die Liegenschaft Klingental 18. «Von unserer Wohnung aus sehen wir was dort drin passiert», schildert Irène Thiriet. Die Wohnungen seien mit Leintüchern unterteilt, in einer Wohnung würden bis zu neun Frauen leben und arbeiten. Däni Allemann von der FDP Kleinbasel hat das Haus betreten. «Im Hauseingang tummeln sich die Koksdealer und die hygienischen Zustände sind haarsträubend.» Er habe gehört, dass mit der Liegenschaft Mieteinnahmen von bis zu 70'000 Franken pro Monat erzielt würden. Der Besitzer der Liegenschaft war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Prostitution ist gleich Falschparkieren

Die Polizei weiss um die Zustände rund um die Toleranzzone. Lukas Faulstich vom community policing im Kleinbasel: «Wir versuchen präsent zu sein, aber wir haben auch nur beschränkte Ressourcen.» Zudem sei es gar nicht so einfach, etwas auszurichten. «Wenn ausserhalb der Toleranzzone angeschafft wird, dann ist das eine Übertretung. Es ist also, als ob Sie das Auto falsch parkieren.»

Alle 14 Tage neue Frauen

Beim zuständigen Justiz- und Sicherheitsdepartement ist man sich der Situation rund ums Klingental ebenfalls bewusst. Sprecher Martin Schütz: «Die Polizei ist vor Ort und führt regelmässig Kontrollen durch.» Man könne nicht verhindern, dass sich der Strassenstrich auch ausserhalb der Toleranzzone bemerkbar mache, etwa durch Fussgängerverkehr. «Wenn wir die Frauen verzeigen, hat das leider oft nur kurzfristige Wirkung.» Oft sind die Frauen schon wieder abgereist, bis eine Verzeigung wirksam wird. «Die Fluktuation ist sehr hoch, wir müssen immer wieder bei Null anfangen.»

Mit dem Liegenschaftsbesitzer des Klingental 18 sei man im Gespräch. «Wir können eine Schliessung verfügen, wenn genügen Reklamationen eingehen. Aber: Es muss alles sehr gut dokumentiert sein.

(Regionaljournal Basel; 17:30 Uhr)