Basler Atomreaktor wird abgestellt

Im Keller des physikalischen Instituts der Universität Basel steht der älteste Atomreaktor der Schweiz. 1959 wurde er in Betrieb genommen. Nun aber soll der Reaktor abgestellt werden. Ein Unterfangen, das sehr umständlich ist.

Institut für Physik

Bildlegende: Auf der Fläche zwischen Pestalozzistrasse und St. Johanns-Ring soll ab 2020 gebaut werden. Juri Weiss

Damals, im Jahr 1959, habe man keine Bedenken gehabt, einen Reaktor mitten in einem Wohnquartier aufzustellen, erklärt Alex Eberle, Vizerektor Entwicklung der Universität Basel. «Damals waren die Menschen interessiert an der neuen Technologie und zudem ist die Menge viel zu gering, als dass man damit eine Atombombe bauen könnte», so Eberle. Für eine Atombombe reicht es nicht, aber der Basler Reaktor hat waffenfähiges Uran.

Basel erwarb den Reaktor, um Studierende der Kernphysik auszubilden und um Messungen durchzuführen. «Inzwischen aber hat sich das Tätigkeitsfeld des physikalischen Instituts verändert», so Eberle. Weg von der Kernphysik, hin nur Nanotechnologie. «Der Reaktor wird nur noch etwa 20 Stunden pro Jahr benutzt», sagt Eberle gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF.

«  Man kann einen Reaktor nicht einfach verschieben »

Alex Eberle
Vizerektor Entwicklung

Der hauptsächliche Grund, weshalb der Reaktor abgestellt werden soll, ist jedoch ein anderer. Auf der Fläche zwischen Pestalozzistrasse und St. Johanns-Ring soll ein Neubau entstehen. «Einen Reaktor kann man nicht einfach verschieben», erklärt Alex Eberle. Man habe die Bewilligung nur für den Reaktor genauso wie er momentan betrieben werde. Und heutzutage erhalte man keine Bewilligung mehr für einen Reaktor in einem Wohngebiet. Zudem hat der Bund im Rahmen des revidierten Kernenergiehaftpflichtgesetzes beschlossen, dass die Versicherungsprämie stark angehoben wird. Der Basler Reaktor würde dann statt 3'500 Franken bis zu 45'000 Franken kosten.

Sammeltransport per Schiff

Aber wie entsorgt man einen Reaktor? Die Schweiz wolle das Uran ordnungsgemäss den USA zurückgeben, von dort habe man es ursprünglich bezogen, so Eberle. Aber dieser Transport sei kompliziert. Zunächst müsse die USA den Reaktor genau untersuchen, um zu sehen, in welchem Zustand er sich befindet. Dann müsse man Verträge unterschreiben und von allen Ländern, durch die der Transport führt, eine Bewilligung erhalten. «Das zeitliche Korsett ist eng», sagt Alex Eberle. Gelingt der Abtransport im nächsten Jahr nicht, so fallen höhere Kosten an.