Basler Quartiervereine fühlen sich an den Rand gedrängt

Sie sind wohl die niederschwelligste politische Organisation in Basel: Die neutralen Quartiervereine. Anwohner können sich dort bei der Quartier-Gestaltung einfach einbringen. Jetzt beklagen die Vereine aber, dass ihre Arbeit von den Basler Stadtteilsekretariaten zu wenig wahrgenommen werde.

Menschen an einer Versammlung.

Bildlegende: Die Basler Quartiervereine fühlen sich an den Rand gedrängt (Symbolbild). bs.ch/Juri Weiss

Aus den Quartieren heraus Politik zu machen, werde immer schwieriger, sagt Christoph Wydler, Co-Präsident des Stadt-Vorstands, in welchem alle neutralen Quartiervereine vertreten sind. «Wir fühlen uns an den Rand gedrängt und nicht ganz ernst genommen.»

Zu dieser Schlussfolgerung kommt Wydler nicht nur aufgrund seiner Erfahrungen bei der Arbeit im neutralen Quartierverein Neubad, den er präsidiert, sondern auch aufgrund eines Strategiepapiers der Basler Verwaltung. Es handelt sich um die sogenannte «Vision 2020 der Quartierarbeit». Dort hält der Kanton fest, wie er die Mitwirkung der Bevölkerung organisieren will. Darin steht, dass die Verwaltung vermehrt auf die Stadtteilsekretariate setzen möchte. Sie sollen als Bindeglied zwischen der Bevölkerung und den Behörden agieren. Die Stadtteilsekretariate sind zum grossen Teil vom Kanton finanziert.

«  Sie reden die Rolle der Quartiervereine klein. »

Christoph Wydler
Co-Präsident Stadt-Vorstand

Von diesen Stadtteilsekretariaten fühlt sich Christoph Wydler als Vertreter der Quartiervereine zu wenig ernst genommen: «Sie reden die Rolle der Quartiervereine klein. In ihren Augen dürfen wir bloss noch unterhalten. Dass wir aber die Meinung der Quartierbevölkerung vertreten, wird nicht beachtet.» Die Vereine würden bloss als eine von vielen Organisationen beachtet. Das sei aber nicht adäquat, sagt Wydler.

Bei den Stadtteilsekretariaten möchte man diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen. Therese Wernli, Co-Leiterin des Stadtteilsekretariats Kleinbasel sagt, man nehme die Quartiervereine sehr wohl ernst. Dasselbe gelte aber auch für andere Organisationen: «Es gibt viele Vereine, die sagen, sie kümmern sich um das Wohnumfeld. Wir arbeiten mit allen zusammen.» Es sei aber tatsächlich so, dass die Quartiervereine lange die einzigen Organisationen waren, die sich mit solchen Aufgaben befassten. Mittlerweile gebe es in diesem Bereich viel mehr Organisationen.

Netzwerk für viele Akteure

Die Stadtteilsekretariate würden diese verschiedenen Akteure koordinieren, sagt Peter Jossi, Präsident des Stadtteilsekretariats Basel-West: «Es gibt eine ganze Palette von engagierten Leuten. Wir bilden ein Netzwerk dafür. Das ist eine Ergänzung zu den neutralen Quartiervereinen.» Dieser ergänzende Ansatz wird von den Quartiervereinen aber eher als Konkurrenz wahrgenommen.

Schliesslich dreht sich der Konflikt wohl auch um die Frage, wie viel Quartierarbeit der Kanton übernehmen soll und welcher Teil von privater Initiative ausgehen soll.

(Regionaljournal Basel, 06:32 Uhr)