Basler Wohnschule macht behinderte Menschen selbständiger

In der Wohnschule können Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung lernen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Wie in einer Wohngemeinschaft leben sie zusammen, lernen Praktisches und gewinnen Sicherheit. Das Ziel ist, dass sie nach der Wohnschule in einer eigenen Wohnung leben können.

Auch Kochen gehört zum selbständigen Leben eines Menschen.

Bildlegende: Auch Kochen gehört zum selbständigen Leben eines Menschen. Keystone

Die Wohnschule ist ein Angebot der Stiftung «Mosaik», die unterschiedliche Angebote für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen führen. Die Wohnschule hat ein ganz konkretes Ziel, Menschen mit einer Behinderung zu unterstützen, die aus dem Elternhaus oder aus betreuten Wohnangeboten raus wollen und ihr Leben ein Stück weit mehr selber in die Hand nehmen wollen. Die Menschen leben in der Wohnschule, am Morgen arbeiten sie und am Nachmittag lernen sie alles, was es braucht, um einen Haushalt zu führen. Praktisches, aber auch alles, was das Zusammenleben und Beziehungen betrifft.

Stets zu Beginn der Woche planen die sechs Wohnschülerinnen und -schüler ihre Woche gemeinsam. Private Termine und alles, was die WG betrifft, wird in den Kalender an der Wand eingetragen, Abwaschen, Kochen, Einkaufen, alles soll gerecht verteilt werden. Es geht darum, seinen Alltag zu organisieren.

Wohnschule heisst Lebensschule

Jeannette Merki leitet die Wohnschule, seit 23 Jahren ist sie dabei. Während der Wochenplanung vermittelt sie manchmal zwischen den Wohnschülerinnen und -schülern. Manchmal fordert sie sie auch heraus, bringt sie dazu, zu ihren Entscheidungen zu stehen, diese den anderen mitzuteilen. Dies gehört zur Wohnschule, sagt Jeannette Merki gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF. Die Menschen hätten neben ihrer Behinderung auch Resourcen, «diese sollen sie kennenlernen, auf diese vertrauen und aufbauen. Wir kitzeln die Menschen ein bisschen, indem wir ihnen als Erwachsene begegnen». Aus den Wohnschülern sollen Persönlichkeiten werden, die sagen, was sie gerne hätten.

In der Wohnschule wird darum an Eigenverantwortung appelliert und die Bewohner leben diese auch. In der Nacht, bis Mittags sind sie alleine, ohne Begleitung. Das sei wichtig, sagt Jeannette Merki. Dadurch unterstützen sich die Wohnschüler eher gegenseitig, statt sich von ihren Begleitern oder Eltern sagen zu lassen, wie sie etwas zu tun hätten.

Erfolg der Wohnschule

Die sechs Wohnschülerinnen und -schüler haben noch bis im Herbst Zeit, um selbstständiger zu werden und zu entscheiden, wie sie danach leben wollen. Ihre Vorgängerinnen und Vorgänger haben zum grössten Teil den Sprung zum selbstständigen Wohnen geschafft. Rund 80 Prozent der Wohnschüler schafft es, mit mehr oder weniger Unterstützung, selbstständig zu leben.