Das Geburtsverhör - die Wahrheit rauspressen

Das «Dalit Bloch Ensemble» zeigt im Museum BL das Stück «Das Geburtsverhör». Zur Ermittlung der Vaterschaft wurden Anfangs des 19. Jahrhunderts unverheiratete Frauen einem so genannten Geburtsverhör unterzogen.



Die Protagonistin Anna Müller steht auf der Bühne im Museum BL

Bildlegende: Anna Müller muss sich einem Geburtsverhör unterziehen. (Schauspielerin Julia Sewing) Foto: Nathalie Buchli

Das Stück erzählt die wahre Geschichte von Anna Weibel und Heinrich Müller aus Nussdorf im oberen Baselbiet. Anna ist aus ärmlichen Verhältnissen, Heinrich der Sohn des Gemeindepräsidenten. Ihr Versuch, sich über die gesellschaftlichen Schranken hinwegzusetzen, scheitert. Als Anna schwanger ist, streitet Heinrich ab der Vater des Kindes zu sein. Zur Ermittlung der Wahrheit wird Anna einem Geburtsverhör unterzogen.

Das Geburtsverhör

Die Praxis des Geburtsverhörs wurde anfangs des 19. Jahrhunderts dazu eingesetzt, um die Vaterschaft zu ermitteln. «Die Frauen wurden während der Geburt verhört. Man nahm an, dass sie unter Schmerzen den wahren Vater verraten würden», erklärt Dalit Bloch, Regisseurin des Stücks.

Das Theaterstück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Linda Stibler. Diese hat unzählige Gerichtsprotokolle von solchen Vaterschaftsstreitigkeiten studiert und darüber einen historischen Roman geschrieben.

Tabuisierte Geschichte

Als Theater bringt nun Dalit Bloch dieses vergangene Stück Lokalgeschichte auf die Bühne im Museum BL: «Ich war überrascht, dass praktisch niemand von diesen Geburtsverhören je gehört hat. Umso wichtiger finde ich es, dass dieser Teil unserer Regionalgeschichte aufgearbeitet wird», so Bloch.

Die Geburtsverhöre gehören der Vergangenheit an. Heute wird im Zweifelsfall per DNA-Test der Vater ermittelt. Die Grundfragen, die im Stück behandelt werden, bleiben aber dieselben: Wer hat wie viel Macht in einer Beziehung, wer trägt Verantwortung und wie privat ist eigentlich eine Schwangerschaft?

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)