Fasnachts-Zeedeldichter gehen ungnädig mit beiden Basel um

Basel befindet sich auf dem absteigenden Ast und hat die besten Zeiten hinter sich. Diesen Eindruck muss erhalten, wer die Zeedel der Fasnachts-Formationen genauer unter die Lupe nimmt. Vor allem das neue Innenstadt-Verkehrsregime kommt bei den Fasnächtlern ganz schlecht an.

Fasnachtszeedel und Räppli

Bildlegende: Die Zeedeldichter gehen mit Basel ins Gericht - aber auf fasnächtliche Art und Weise. SRF

«Basel Bach ab», «Dr Letscht löscht s`Licht» oder «Quo vadis - wie soll das no wiyter goo?»: schon die Titel einiger Zeedel, die sich mit dem aktuellen Zustand Basels auseinandersetzen, verraten, was die Zeedel-Verfasser von der aktuellen Situation halten.

«  White Dinner und Bunti Nacht: doch beidi Fescht sinn glatt verloffe, Wyss hett eifach tüürer gsoffe. »

Rhygwäggi, Alti Garde

Das neue Innenstadt-Verkehrsregime, das jetzt ein gutes Jahr in Kraft ist, wird da ebenso ins Feld geführt wie die leeren Geschäfte und die damit auch ausgestorbene Innenstadt.

Nicht selten wird auch der rot-grünen Regierungs-Mehrheit die Schuld für die Misere in die Schuhe geschoben, nicht zuletzt Bau- und Verkehrsdirektor Hanspeter Wessels ist eine beliebte Zielscheibe - allerdings weniger stark als in früheren Jahren.

«  Im Baselland herrscht Dritti Wält,
es fählt an baidem, Gaischt und Gäld.
Das Gäld bekämt me neyme här,
das mit em Gaischt isch ehnder schwär. »

Alti Schnoogekeerzli

Dass die Vereinigung «Pro Innenstadt» da als Gegen-Aktion im letzten Herbst ein «White Dinner» ins Leben rief, das inspirierte zwar viele Cliquen und Formationen: kein anderes Thema als dieses «weisse Nachtessen» wurde so oft gewählt (s. Kasten).

Aber auch da sind sich die Fasnächtler einig: als wirkliches Gegenmittel gegen den hohen Franken und das nahe Deutschland hätte die Veranstaltung nicht getaugt.

Kaum weniger hart kritisiert wird auch das Baselbiet - vor allem der 80-Millionen-Deal fordert viel Spott heraus. Der Landkanton erhält auch von den Fasnächtlern keine gute Noten - obwohl ja viele Aktive selbst im Landkanton wohnen.

Sympathie für das Elsass

Mehr Sympathien bekommen da die französischen Nachbarn im Elsass - und zwar wegen der umstrittenen Gebietsreform von Präsident Hollande.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)

Viele verschiedene Sujets

Ein Blick in den Fasnachts-Führer «Rädäbäng» zeigt, dass die Sujet-Wahl der Cliquen 2016 sehr breit ist: etwa 200 Sujets wurden total gewählt, fast 70 Formationen setzen sich mit Basel auseinander, 33 mit dem «White Dinner». Fast 40 Fasnachts-Formationen behandeln Gesellschafts-Themen wie z.B. die Flüchtlinge oder z.B. der «Eisige Wind aus Moskau».