Gesucht: Neues Zuhause für Tausende Skelette

In einem Keller in Aesch liegen Millionen Menschenknochen. Es ist es die grösste Skelett-Sammlung der Schweiz und wohl eine der grössten weltweit. Doch die Lagerungsbedingungen sind nicht ideal. Darum sucht die Baselbieter Gemeinde nun einen neuen Standort – ein schwieriges Unterfangen.

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Gesucht: Neues Zuhause für tausende von Skeletten

3:31 min, aus Schweiz aktuell vom 17.12.2013

Über 40‘000 Skelette in über 8000 Kisten – mehrheitlich Bananenschachteln – sind es, die dicht gedrängt in einem Keller unter einer Turnhalle in Aesch lagern. Die Schachteln mit den Gebeinen liegen direkt aufeinander und türmen sich über zwei Meter hoch auf.

Sechs Kantone bilden Trägerschaft

Gesammelt werden Skelette aus Baselland und fünf weiteren Kantonen. Immer, wenn dort bei Grabungsarbeiten oder einer Baustelle Skelette auftauchen, werden diese ins Baselbiet zur Untersuchung und Aufbewahrung geschickt. Die sechs Kantone bilden denn auch die Trägerschaft der Sammlung.

Im Vordergrund der Oberteil eines Skeletts, rechts eine Frau die mit Knochen arbeitet.

Bildlegende: Die Archäo-Anthropologin Viera Trancik betreut die Knochen-Sammlung samt Skelett - für die Sammlung wird mehr Platz g... SRF

Die Archäo-Anthropologin Viera Trancik betreut diese und untersucht die Knochen im Auftrag der Kantone. Diese Arbeit gestaltet sich aber schwierig, etwa weil es keine Regale im Lager gibt. «Wenn ich eineruntere Kiste benötige, muss ich den ganzen Stapel abbauen und nachher wiederaufbauen«», erklärt Viera Trancik. Zudem würden aufgrund der Feuchtigkeit im Keller dauernd Schachteln weich werden und deshalb Stapel umfallen.

Ein weiteres Problem: Das Labor von Viera Trancik befindet sich an einem anderen Ort in Aesch. Zur Untersuchung der Skelette muss sie diese darum hin- und hertransportieren. Und das Haus, in dem sich das Labor befindet,wird in Kürze abgerissen.

Aesch ist stolz auf Sammlung

Die Gemeinde Aesch sucht darum nun einen neuen, gemeinsamen Standort für Lager und Labor. «Die Sammlung ist einzigartig und wir sind stolz auf diese, darum setzen wir alles daran, dass sie in Aesch bleibt», sagt Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger.

Das ist allerdings kein leichtes Unterfangen. Denn ein möglicher Standort kommt seit kurzem nicht mehr in Frage. Dies, da die Bauherrschaft einer geplanten Siedlung zwar anfänglich bereit war, in einem Keller ein grosses Lager zu bauen sowie ein Labor im Obergeschoss. Doch dann, nach einer weiteren Evaluation, sei die Bauherrschaft zum Schluss gekommen, dass sich «Skelette und Eigentumswohnungen nicht vertragen», sagt Marianne Hollinger. Nun hat die Gemeindepräsidentin einen anderen Standort im Visier. Doch diesmal bereitet der hohe Mietpreis Probleme.

Erstes Uni-Institut im Baselbiet

Marianne Hollinger ist aber zuversichtlich, in Aesch fündig zu werden. Ihr Engagement erklärt sich auch damit, dass die Sammlung zu einem Institut der Universität Basel aufgewertet werden soll. Das hat die Gemeinde mit den Trägerkantonen und der Uni abgemacht. «Gelingt dieser Plan, wäre in Aesch das erste Uni-Institut auf Baselbieter Boden. Und darauf wären nicht nur wir in Aesch stolz, sondern auch die Region und der ganze Kanton».