Grünes Bündnis Basel: Generationenwechsel oder Kahlschlag?

Das Grüne Bündnis hat eine grosse Rochade hinter sich. Fast die Hälfte der Fraktion wurde ausgewechselt. Dies ist besonders schmerzhaft, weil nun bekannte Zugpferde fehlen.

Mitglieder des Grünen Bündnis durchschneiden einen Stacheldraht mit einer Drahtschere.

Bildlegende: Das Grüne Bündnis Basel durchschneidet zum Auftakt des Wahlkampfs einen Stacheldraht. zVg

Urs Müller, Heidi Mück, Patricia Bernasconi oder Brigitta Gerber – das sind bekannte linke Politiker und Politikerinnen, die dem Grünen Bündnis ein Gesicht gaben. Sie alle dürfen aufgrund der Amtszeitbeschränkung nicht mehr für die Grossratswahlen antreten. «Das ist ein grosser Verlust für uns», sagt Tonja Zürcher, Ko-Präsidentin der BastA!. Und auch Harald Friedl, Ko-Präsident der Grünen, bedauert den Abgang der «sehr profilierten» Grossrätinnen.

Und noch ein Abgang schmerzt das Grüne Bündnis besonders – jener von Mirjam Ballmer. Die Hoffnungsträgerin der Grünen wurde gar als nächste Regierungsrätin gehandelt, doch sie kehrte der Politik aus privaten Gründen den Rücken. «Wir können sie natürlich nicht von einem Tag auf den anderen ersetzen», so Friedl.

Dennoch versucht das Grüne Bündnis das beste aus dem Generationenwechsel – um nicht zu sagen aus dem Kahlschlag – zu machen, und greift in die Trickkiste. Bei den Grossratswahlen hat bessere Wahlchancen, wer auf dem Wahl-Zettel das Label «bisher» aufweisen kann.

Deshalb verabschiedeten sich die Abgängerinnen und Abgänger beim Grünen Bündnis schon etwas früher als nötig aus dem Parlament und machten den Nachrückenden Platz. So müssen diese nicht als komplette Frischlinge antreten, und können sich bei den Wahlen als Bisherige bezeichnen, obwohl sie erst seit wenigen Wochen im Parlament sitzen.

«Es ist natürlich schwierig, sich in so kurzer Zeit im Parlament einen Namen zu machen», ist sich Harald Friedl bewusst. «Nicht alle haben die gleiche Ausgangslage». So kann er selbst, genauso wie Tonja Zürcher, vom Parteipräsidium profitieren. Dies sorgt für eine verstärkte Medienpräsenz und Bekanntheit.

Andere Parlaments-Neulinge des Grünen Bündnisses haben es schwerer. Beispielsweise Daniel Spirgi, der neu ist im Polit-Betrieb und noch keinen einzigen Vorstoss eingereicht hat. Oder Beatrice Messerli, auch sie hat noch keinen Vorstoss eingereicht und war bisher eher hinter den Kulissen aktiv. Sie ist jedoch im Bildungsbereich sehr gut vernetzt.

Konkurrenzkampf in den eigenen Reihen

Die Ausgangslage für das Grüne Bündnis bleibt also schwierig, auch wenn die Neuen schon vorzeitig in Position gebracht wurden. Dennoch geben sich beide Parteivorsitzende zuversichtlich. Tonja Zürcher sieht in der Rochade gar eine Chance: «Nun kommen endlich auch neue Köpfe zum Zug.» Weil die Alteingesessenen Platz gemacht haben, spüre er eine Dynamik innerhalb der Liste, sagt auch Harald Friedl.

Für die Zuversicht von Friedl und Zürcher spricht der Blick in die Vergangenheit. Auch der spätere Shooting Star Mirjam Ballmer fing als unbekannte Jungpolitikerin an. Sie rückte 2007 in das Parlament nach und legte dank ihres breiten (Pfadi-)Bekanntenkreises und ihres Engagements gegen die Zollfreistrasse einen Senkrechtstart hin. Schon bei der ersten Wiederwahl im Jahr 2008 belegte sie in ihrem Wahlkreis den Spitzenplatz.

Ob es in den Reihen des Grünen Bündnisses jedoch noch einmal eine Person mit dem Potenzial von Mirjam Ballmer gibt, ist eine andere Frage.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)

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