Im Baselbiet droht ein Prämienschock

Die Spitalkosten, die im Baselbiet schon in den letzten zwei Jahren aus dem Ruder liefen, explodieren dieses Jahr regelrecht.

Spitalangestellte macht ein Spitalbett zu recht, auch ein zweites bett ist ohne Patientin oder Patent.

Bildlegende: Trend der Vorjahre verstärkt sich: Baselbieter Spitalkosten steigen erneut stark an. Keystone

In den ersten drei Monaten sind die stationären Spitalkosten von Patientinnen und Patienten mit Wohnort Baselland regelrecht explodiert: Diese Kosten sind gemäss Bundesamt für Gesundheit um 24 Prozent gestiegen. Die Spitalkosten sind ein wichtiger Kostenfaktor. Deshalb schlägt dieser Anstieg auf die Total-Kosten für die Grundversicherung durch: Diese steigen um fast zehn Prozent. Falls dieses Wachstum weiter anhält, müssen die Krankenkassen diese Steigerung früher oder Später auf die Prämien überwälzen.

Bei der Baselbieter Gesundheitsdirektion zeigt man sich überrascht. Sprecher Rolf Wirz betont, die Zahlen des Bundesamtes würden nicht mit denjenigen übereinstimmen, welche die Gesundheitsdirektion direkt bei den Spitälern erhebe.

Gemäss diesen Zahlen würden die stationären Spitalkosten der Baselbieter Bevölkerung um 4.4 Prozent stiegen und nicht um 24 Prozent.

Allerdings hatte sich die Baselbieter Gesundheitsdirektion bei genau diesen Spitalkosten in den letzten zwei Jahren schon um rund 70 Millionen Franken verschätzt. Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly vom Vergleichsdienst Comparis betont, dass Krankenkassen im Gesundheitswesen über fundierte und vor allem über die aktuellsten Zahlen verfügen würden. Tatsächlich stützt sich das Bundesamt für Gesundheit bei seinem Kostenmonitoring auf die Daten von praktisch allen Krankenkassen.

Prämienschock kostet den Kanton Millionen

Noch lässt sich dieser Kostenanstieg zwar nicht aufs Jahr hochrechnen, denn dieser Anstieg könnte im Verlaufe des Jahres noch etwas verflachen, allerdings rechnen Experten lediglich mit einer leichten Verflachung. Deshalb ist schon jetzt klar, dass dem Baselbiet ein Prämienschock droht. Darauf deuten auch die noch nicht veröffentlichten Zahlen des Monats April hin.

Doch auch der Kanton wird damit zur Kasse gebeten. Denn an jeden stationären Spitalaufenthalt muss dieser 55 Prozent zahlen. In der jetzigen angespannten Finanzlage drohen Mehrkosten in Millionenhöhe. Deshalb ist auch der Finanzpolitiker und Fraktionspräsident der Grünen, Klaus Kirchmayr, alarmiert. Erst müsse man die Zahlen des Bundesamtes noch genau analysieren, wenn diese aber zutreffen würden, dann könnten damit mit einem Schlag sämtliche Sparanstrengungen wieder zunichte gemacht werden, warnt er.

Noch vor den Sommerferien wollen die Gesundheitsdirektoren beider Basel darüber informieren, wie es mit den Spitälern weitergehen soll. Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber veröffentlichte vor ein paar Tagen dazu bereits eine Stellungnahme, die in der Basellandschaftlichen und in der Basler Zeitung erschien. Darin schrieb er: «Es gibt kein Festhalten am Status quo mehr, diesen können wir uns nicht mehr leisten.» Vor dem Hintergrund des drohenden Prämienschocks bekommt dieser Satz zusätzlich Gewicht.

Steigende Kosten Ganz unten ist der Balken für den Kanton Baselland (rot), dessen stationäre Spitalkosten im 1. Quartal 2015 schweizweit am stärksten angestiegen sind: um 24.11 Prozent. In Basel-Stadt (Balken ca. mitte, rot) stiegen sie um 2.46 Prozent.

(Regionaljournal Basel, 12:03 Uhr)