Jürg Wiedemann: «Ich bin niemandem böse»

Die Geschäftsleitung der Grünen Baselland hat genug von den zahlreichen Einzelaktion ihres Landrats Jürg Wiedemann. Sie will ihn aus der Partei ausschliessen und stellt an der Mitgliederversammlung einen entsprechenden Antrag. Jürg Wiedemann selber zeigt Verständnis für das Verhalten der Partei.

Jürg Wiedemann

Bildlegende: Jürg Wiedemann steht auf verlorenem Posten - ohne Rückhalt von seiner Parteileitung. Keystone

Jürg Wiedemann selber nimmt den Ausschlussantrag der eigenen Parteileitung gelassen. Er sei nicht überrascht und habe sogar Verständnis. «Aus Sicht der Partei ist dieser Entscheid nachvollziehbar. Ich bin niemandem böse», sagt Wiedemann.

Seine zahlreichen Einzelaktionen sind der Parteileitung aber sauer aufgestossen. Ein Ereignis vom Vortag brachte das Fass zum Überlaufen:

Am frühen Mittwochabend kündigte die Harmos-kritische Gruppierung «Starke Schule Baselland» die Unterstützung einer Nationalratsliste von «Grünen und Unabhängigen» an. Wiedemanns Name wird dabei nicht genannt, für die Parteispitze der Grünen war jedoch das Mass voll. Wiedemann war nämlich gleichzeitig auch Kandidat für einen Listenplatz der Grünen Baselland. Sein paralleles Interesse wird von der Parteileitung als Vertrauensbruch bewertet.

Wiedemann betont zwar, dass er für die fremde Liste lediglich angefragt wurde. Ein Entscheid sei nicht gefallen. Trotzdem will die Grüne Partei das Mitglied Jürg Wiedemann loswerden. Über den definitiven Ausschluss entscheiden die Mitglieder an ihrer Versammlung am 25. März.

«Destruktives Verhalten»

Nicht unterschiedliche politische Ansichten, sondern destruktives Verhalten und öffentliche Angriffe auf die Partei hätten zu den Ausschlussanträgen geführt, schreibt die Partei in einem Communiqué. Wiedemann habe öffentlich grüne Parteiverantwortliche «in persönlichkeitsverletzender Weise denunziert» und ein parteiinternes Papier auf der Homepage des Komitees veröffentlicht.

Die Parteileitung spricht deswegen von einem «unwiederbringlichen Vertrauensbruch». Sie wolle ihn nicht wegen inhaltlichen politischen Differenzen ausschliessen, sondern wegen seines «destruktiven Verhaltens». Sie reagiere damit auch auf «vielfache Feedbacks» aus der Parteibasis. Die jungen Grünen unterstützen den Ausschlussantrag gemäss einem eigenen Communiqué.

Für Aufsehen gesorgt hat Jürg Wiedemann auch, als er im Januar 2015 sich öffentlich hinter die FDP-Regierungskandidatin Monica Gschwind stellte und so indirekt den Sitz des eigenen Sicherheitsdirektors Isaac Reber gefährdete. «Jürg Wiedemann hat aber auch die Statuten verletzt», sagt Parteipräsidentin Florence Brenzikofer.

Brüche mit der eigenen Partei

Der 1960 geborene Wiedemann, der an einer Sekundarschule in Allschwil BL Mathematik und Physik unterrichtet und in Birsfelden Gemeinderat ist, sitzt seit 2003 für die Grünen im Landrat. Einen Namen machte er sich insbesondere als hartnäckiger Kämpfer für die Totalsanierung der mit Chemiemüll verseuchten alten Deponien in Muttenz BL. Seit er sich aber immer heftiger gegen die Schulharmonisierung Harmos wehrt, tun sich Brüche auf zu seiner Partei.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)