Klassische Musik ganz unklassisch

Wie viele andere Orchester kämpft auch das Basler Sinfonieorchester gegen die Überalterung des Publikums. Wenn die Jungen nicht zu uns kommen, dann gehen wir eben zu ihnen - hat sich das Orchester gesagt. Ohne schwarzen Frack und ohne den Dirigenten taucht es ins Basler Clubleben ein.

Geige unter Discokugel

Bildlegende: Die «cube sessions» bringen klassische Musik in die Disco. SRF

Das Publikum des Basler Sinfonieorchesters ist überaltert. Ein Zustand, der geändert werden muss, dachte das Orchester und rief «cube sessions» ins Leben.

Sitzwürfel auf der Tanzfläche

Die Basler Kuppel sieht an einem «cube session»- Abend anders aus als gewöhnlich. Dort wo sonst die Tanzfläche ist, stehen lauter schwarze Sitzwürfel: cubes eben. Und dort, wo sonst der DJ an seinem Mischpult steht, stehen Notenständer. Dahinter sitzen Mitglieder des Sinfonieorchesters.

«  Ich muss für einmal nicht schwarz angezogen sein. »

Magdalena Welten
Präsidentin des Orchestervorstands

In diesem ungewohnten Rahmen zu spielen, ist eine willkommene Abwechslung, sagt die Fagott-Spielerin und Präsidentin des Orchestervorstands, Magdalena Welten: «Ich muss für einmal nicht schwarz angezogen sein. Und wir haben keinen Dirigenten, sondern haben die Stücke selber entwickelt.» Dadurch sei die Stimmung lockerer und sie würde ihre Kollegen von einer anderen Seite kennenlernen.

Hemmungen, den Konzertsaal zu verlassen, habe sie keine gehabt. Im Gegenteil: Sie freue sich, näher beim Publikum zu sein. «Im Konzertsaal gibt es immer eine gewisse Distanz. Hier ist alles viel direkter.»

Bratsche trifft Elektrobeats

Doch nicht nur der Rahmen ist ein anderer an den «cube sessions». Auch die klassische Musik selbst wird verändert und der Clubumgebung angepasst. Nach einem ersten Teil, in dem rein klassische Musik gespielt wird, kommt DJ Nik von Frankenberg dazu. Er gehört zur Gruppe «Gelbes Billett Musik», eine Gruppe junger Leute, die elektronische Musik produzieren. Die Kooperation mit dem Sinfonieorchester sei bereichernd, erfordere aber auch Kompromisse. «Teilweise gab es Übersetzungsschwierigkeiten. Wir können zum Beispiel nicht einfach den Rhythmus wechseln.»

Schwellen abbauen

Die «cube sessions» haben bereits sechs Mal stattgefunden. Das Konzept sei ein grosser Erfolg, sagt Yannick Studer, Projektleiter beim Sinfonieorchester gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF. «Das Ziel ist, zwei unterschiedliche Welten zusammenzubringen und dadurch einen niederschwelligen Zugang zu beiden Musikwelten zu ermöglichen.»