Kuchendiagramm direkt auf dem Kuchen

Kontrollieren wir die Technik oder kontrolliert moderne Technologie doch eher uns? Fragen wie diese behandelt die neue Ausstellung des Basler Museums «Haus der elektronischen Künste». Es geht darum, einen eigenen Ansatz zu Technologie zu finden.

Ein Roboter zeichnet ein Diagramm auf einen Kuchen.

Bildlegende: Kritik mit süsser Note: Das Kuchendiagramm auf dem Kuchen. SRF/Sedrik Eichkorn

Etwas wacklig malt ein kleiner Roboterarm ein Diagramm auf einen Kuchen. Es zeigt die Geschlechterverteilung bei Google: Der Frauenanteil ist gering. «Es ist süsse Kritik. So dass sie besser runter geht», sagt dazu die Schweizer Künstlerin Annina Rüst.

Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich Diagramme aus verschiedenen Technologiefirmen aufsuchen, welche der Roboter auf die Kuchen zeichnet. Die Verteilung ist überall ähnlich – es arbeiten deutlich mehr Männer in der Technologiebranche. Rüst möchte aber nicht bloss auf die Genderthematik aufmerksam machen: «Ich hoffe, dass sich die Branche öffnet. Auch gegenüber alltäglichen Dingen, wie zum Beispiel Kochen.»

«  Wir wollen einen selbstbestimmten Zugang zur Technik finden. »

Shusha Niederberger
Co-Kuratorin

In der Ausstellung «Critical Make – turning functionality» gibt es noch rund ein Dutzend weitere Künstlerinnen und Künstler, die sich mit dem Thema Technologie auseinandersetzen. Da hängt zum Beispiel ein Scheibenwischer an einer weissen Wand – vom Auto fehlt jede Spur. Oder auf einem Plattenspieler dreht anstatt einer Vinylplatte ein Stück Holz. Die Nadel taste die Jahresringe ab und man hört «den Klang der Zeit».

Es geht um die Frage, wie man Technologie auch anders verwenden kann, erklärt die Co-Kuratorin, Shusha Niederberger: «Wir wollen einen selbstbestimmten Zugang zur Technik finden.» Daraus entwickle sich auch eine bewusste und kritische Haltung. Die Ausstellung zeigt humorvolle und hübsche Kunstwerke. Das Thema der Ausstellung als Ganzes zu verstehen, ist aber nicht ganz einfach.

Umbruch im Umbruch

Die Direktorin des Museums «Haus der elektronischen Künste», Sabine Himmelsbach, freut sich auch über die Ausstellung, weil sie gut zur Umgebung des Museums auf dem Dreispitzareal passe: «Es geht um die Umnutzung von Technologien. Und hier auf dem Dreispitz sind wir selbst mitten in einem solchen Umbruchprozess drin.»

Das Museum kam vor rund vier Jahren auf das Dreispitzareal und übernahm damit eine Pionierrolle. In dieser Zeit habe sich das Dreispitzareal stark verändert, sagt Himmelsbach. So sei es mittlerweile viel lebendiger geworden und auch verkehrstechnisch gut angeschlossen.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)