Geothermie Mehr Mikrobeben trotz längst abgebrochener Geothermie-Bohrung

Vor zehn Jahren wurde in Basel der Geothermie-Versuch wegen Erdstössen abgebrochen. Trotzdem haben seither Mikrobeben zugenommen. Deshalb soll jetzt Druck vom 5000 Meter tiefen, alten Bohrloch abgelassen werden.

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Basler Erde bebt wieder

2:42 min, aus Schweiz aktuell vom 29.3.2017

Nach mehrjährigen Vorbereitungen war 2006 die erste Bohrung des Geothermie-Projekts «Deep Heat Mining» im Basler Stadtteil Kleinhüningen begonnen worden. Dieses wollte Kaltwasser im Tiefengestein aufheizen und die Wärme oben nutzen, wozu vorab der Fels mittels Wasserdruck durchlässig gemacht werden sollte.

Dieses «Klüften» genannte Verfahren löste jedoch Erdstösse aus. Am 8. Dezember 2006 erschütterte ein deutlich spürbares Erdbeben der Stärke 3,4 die Region, welches das Ende des 100-Millionen-Projektes bedeutete. Lokale Nachbeben wurden noch bis 2007 gemessen, und Ende 2009 beerdigte die Basler Regierung das Projekt definitiv. 2011 wurde das Bohrloch verschlossen, und seit 2012 überwacht der Schweizerische Erdbebendienst (SED) die Lokalität im Auftrag des Stadtkantons.

Mehr Mikrobeben

Dass seither der Druck unter dem Deckel des geschlossenen Bohrlochs allmählich anstieg, sei erwartet worden, teilt das baselstädtische Gesundheitsdepartement mit. In den letzten Monaten sei nun aber auch die Zahl der Mikrobeben deutlich angestiegen. Das stärkste erreichte nun eine Magnitude von 1,9 - Für Menschen spürbar sind Beben erst etwa ab Stärke 2,5.

Deshalb soll jetzt das Bohrloch wieder geöffnet werden. Experten könnten jedoch auch so nicht ausschliessen, dass in den kommenden Jahren ein spürbares Erdbeben auftreten kann. Nach heutiger Einschätzung blieben indes Beben, die Schäden verursachen könnten, unwahrscheinlich.

Als Eigentümerin des Bohrlochs sind die Industriellen Werke Basel (IWB) verantwortlich für die alte Anlage. Sie arbeiten ein konkretes Projekt für eine langsame Öffnung und kontrolliertes Ablassen des Drucks aus. Gemäss einem IWB-Sprecher ist noch nicht bekannt, wie lange dies dauert - auch die Kosten seien noch nicht beziffert.

(Regionaljournal Basel, 12:03 Uhr)