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Neubau an der Uni Basel Pleiten, Pfusch und Pannen beim Bau des neuen Biozentrums

Beim Vorzeige-Neubau der Universität Basel laufen die Kosten aus dem Ruder.

Basler Regierung im Rohbau
Legende: Da hatte man die Kosten noch im Griff: Basler Regierung posiert Anfang 2017 für ihr offizielles Bild im Rohbau des Vorzeige-Baus. zvg

Ausgerechnet beim Vorzeige-Neubau der Universität, dem neuen Biozentrum, reiht sich eine Panne an die andere, wie Recherchen des Regionaljournal Basel zeigen:

  • Die Elektrofirma Elektronorm Tech SA geht Ende 2016 Konkurs. Dies verursache «massive Störungen im Bauablauf, die bis heute andauern.»
  • Fehlplanungen bei den Sanitärarbeiten Mitte 2017. Schaden: über vier Millionen Franken und Verzögerung beim Bau um ein halbes Jahr.
  • Unqualifiziertes Personal und mangelhafte Arbeit auch von der Brandschutzfirma, die Ende 2017 ausgewechselt werden muss.

All diese Pleiten und Pannen listen die Regierungen der Trägerkantone der Universität Basel, Basel-Stadt und Baselland, in einem vertraulichen Bericht auf. Bekannt war bis jetzt nur, dass es mit der Elektrofirma und dem Sanitärplaner Probleme gab, wie schwerwiegend diese sind, darüber schwiegen sich die beiden Kanton bis jetzt aus. Doch bereits Mitte 2017 griff man beim Hochbauamt zu einem aussergewöhnlichen Mittel und rief eine Taskforce ins Leben, um dem Generalplaner ganz genau auf die Finger schauen zu können. Zudem kümmern sich inzwischen im Auftrag des Kantons bereits doppelt so viele Experten um den Bau wie noch bei Baubeginn.

Trotzdem kam es zu weiteren Pannen. Heftige Kritik üben die beiden Regierungen vor allem an der Arbeit des Generalplaners. Dieser habe die «Komplexität der Aufgabe sowohl bei der Planung als auch bei der Ausführung zum Teil unterschätzt.» Komme dazu, dass der Generalplaner auf all die Probleme nicht mehr habe «adäquat reagieren können».

Aussergewöhnliche Massnahmen

Schwerwiegend ist auch der Vorwurf, dass der Generalplaner einen Teil der Arbeit an Subunternehmen weitergegeben hat, diese teilweise aber nicht bezahlt haben soll. Die Behörden sahen sich deshalb gezwungen, zu sehr aussergewöhnlichen Massnahmen zu greifen. So zwang man den Generalplaner, die Zahlungsströme zum Projekt offen zu legen. «Wir haben so Druck aufgesetzt. Es darf nicht sein, dass ein Subunternehmen für geleistete Arbeit kein Geld bekommt», sagt die Sprecherin des Basler Baudepartements, Nicole Stocker.

Eröffnung frühestens im Herbst 2019

Eine Kostenprognose von Anfang Jahr hat dann ans Licht gebracht, dass die Reserven beim 330-Millionen-Franken-Projekt aufgebracht sind. Stand Januar drohen Mehrkosten von gegen 20 Millionen Franken. Auch auf den Terminplan wirken sich die Probleme aus: Statt wie ursprünglich einmal geplant Ende 2016 kann der Neubau frühestens im Herbst 2019 eröffnet werden.

Schwerwiegendes Problem für Uni Basel

Für die Universität Basel sind die Verzögerungen beim neuen Biozentrum ein ernsthaftes Problem. «Wir haben mehrere neue Professuren, die direkt in das neue Gebäude hätten einziehen sollen. Wir müssen sie jetzt einfach auf später vertrösten», sagt Matthias Geering, Sprecher der Universität Basel. Das sei besonders ärgerlich, weil es gerade den wichtigen Life Science Bereich betrifft.

Bei der Uni überlege man sich deshalb, wie man solche Probleme künftig verhindern kann. Es sei denkbar, dass die Uni bei weiteren Projekten die Bauplanung selbst übernimmt nicht mehr aus den Händen gibt. «Wir müssen uns auf einen Zeitplan verlassen können», sagt Geering.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Nick Schaefer (Nick Schaefer)
    Wer heute ein Riesenprojekt Termin- und Kostengerecht geliefert haben will, muss sich Chinesische Lieferanten suchen. Und vielleicht auf der Seite der Bauherren mehr Disziplin bei deren Änderungswünschen, bei der Auswahl, Erfahrung, Zusammensetzung, Kreditwürdigkeit und Vertragsbedingungen der Lieferanten mitbringen. Es sind wohl wenige Baudirektionen in der Schweiz, welche regelmässig Bauprojekte in dieser Grösse abwickeln, geschweige denn kosten- und termingerecht - die Erfahrung fehlt.
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  • Kommentar von Jürg Zolliker (jz)
    Das ist doch für die Verantwortlichen kein Problem, der Steuerzahler zahlt ja ...!
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Da werden Errinnerungen an den Umbau des Kant.Spitals Liestal wach. Der Gipsermeisterverband beider Basel gab eine seriöse Offerte ab,da der Auftrag zu gross für eine Firma war.Ein Billiganbieter aus dem Tessin! kam zum Handkuss,ging mitten während des Auftrags bankrott.Nun durften die Gipser der Region die Arbeit fertigmachen, zum korrekten Tarif,mit hohen Mehrkosten.
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