Osteuropäische Pflegerinnen in Basel schaffen Öffentlichkeit

Die Menschen werden immer älter, nicht alle wollen ins Pflegeheim und oftmals reicht die Hilfe durch die Spitex nicht aus. Deshalb gibt es auch in Basel immer mehr Pflegerinnen aus Osteuropa, die alte Menschen rund um die Uhr betreuen. Diese Frauen erhalten nun eine Lobby.

Eine jüngere Frau stützt eine Seniorin, die sich an ihr festhält

Bildlegende: Viele Senioren und Seniorinnen sind auf die Hilfe der Osteuropäerinnen angewiesen. Keystone

Sie kommen meist aus Osteuropa, viele aus Polen oder Ungarn. Sie arbeiten in Haushalten, helfen alten, pflegebedürftigen Menschen und betreuen sie rund um die Uhr. Die Arbeit der Pflegerinnen aus Osteuropa spielt sich im Privaten ab und in einer rechtlichen Grauzone, da Arbeit im Haushalt nicht unter das Arbeitsgesetz fällt.

«Die Leute sollen wissen, was wir tun»

Anna arbeitet seit mehreren Jahren als 24-Stunden-Pflegerin beim ehemaligen SP-Ständerat Carl Miville. Seine Frau sei vor drei Jahren gestorben, alleine leben könne er nicht und er wolle auch nicht aus der Wohnung ausziehen, wo er viele Jahrzehnte gelebt hat. Bleiben kann er dank seiner Betreuerin, immer drei Monate bleibt sie bei ihm, dann wechselt sie mit einer Kollegin ab. Anna fühlt sich wohl bei Carl Miville, sie könne sich bei ihm wie ein Mensch fühlen, sagt sie gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF.

Keine Selbstverständlichkeit für eine 24-Stunden-Pflegerin, weiss sie, anderen gehe es schlechter, wenn sie mit stark pflegebedürftigen Menschen arbeiten und kaum aus dem Haus gehen können. Anna will sich für ihre Kolleginnen wehren, darum engagiert sie sich beim neu gegründeten Netzwerk «Respekt», beim Personalverband VPOD Region Basel. «Die Menschen sollen wissen, wie wir arbeiten». Für ihre Arbeit bekommt Anna 900 Euro netto, das sei drei Mal so viel, wie sie in Polen kriegen würde.

Pflegerin Bozena Domanska gründete «Respekt»

Im Netzwerk «Respekt» tauschen sich die 24-Stunden-Pflegerinnen über Löhne und Arbeitsbedingungen aus. So erfahren sie, wenn es anderen besser geht und was sie für bessere Arbeitsbedingungen tun können, sagt Bozena Domanska. Sie wagte als erste den Schritt an die Öffentlichkeit, klagte gegen ihren Arbeitgeber und erzählte ihre Geschichte dem Schweizer Fernsehen. Nun ist Bozena Domanska für den Prix Courage des «Beobachters» nominiert. Das private Spitex-Unternehmen, für welches sie arbeitete, hat ihr gekündigt.

Öffentlichkeit schaffen

Dass sich diese Frauen zusammentun und an die Öffentlichkeit gehen sei bemerkenswert, sagt Sarah Schilliger, Soziologin an der Universität Basel. Sie hat die Arbeits- und Lebensbedingungen der Pflegerinnen aus Osteuropa untersucht. Viele der Frauen seien sehr isoliert. Ziel der Frauen um Bozena Domanska sei es, öffentlich zu machen wie sie arbeiten, darüber zu sprechen, was es heisst, 24 Stunden für jemanden da zu sein.

Private Pflege, ein wachsender Markt

Da sich vieles in der privaten Pflege in einer Grauzone abspiele, gibt es keine Zahlen, sagt Schilliger. Man könne aber davon ausgehen, dass der Markt boome, auch in der Region Basel. In Basel soll nun das Zivilgericht als erstes Gericht in der Schweiz über die Frage befinden, was Arbeitszeit ist und was Freizeit. Diese Frage ist wichtig, weil die Frauen meist nur für sechs Stunden Arbeit bezahlt werden und für die Nacht keine Entschädigung bekommen. Die Löhne der Pflegerinnen variieren zwischen 1200 und 4000 Franken im Monat.

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