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Basel Baselland Sexualkunde an Basler Schulen bleibt obligatorisch

Das Basler Appellationsgericht weist die Rekurse von Eltern gegen den Aufklärungsunterricht ab. Das Gericht stützt mit diesem Entscheid das Erziehungsdepartement. Dieses hatte den obligatorischen Aufklärungsunterricht ab dem Kindergarten vor zwei Jahren angeordnet.

Legende: Video Sexualkunde ist Pflicht abspielen. Laufzeit 3:23 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 14.08.2013.

Die Rekurrierenden, ein Elternpaar und eine alleinerziehende Mutter, waren zuvor bei den Schulbehörden und bei der Regierung mit ihren Begehren abgeblitzt. Das Appellationsgericht urteilte so als dritte Instanz - es war nun auch das erste Gericht, das zu diesem Thema materiell Stellung nahm. Die Bedeutung des Urteils war dem Gericht wahrscheinlich bewusst: Indiz dafür ist die über zweistündige Beratungszeit, bevor das Gericht das Urteil verkündete.

Da die Eltern nicht wegen Betroffenheit ihrer Kinder, sondern aus Prinzip klagten, war die Verfassungsmässigkeit zu prüfen. Das Gericht hat nun die Leitlinien als grundrechtskonform beurteilt. Dies freut Pierre Felder, Leiter Volksschulen im Basler Erziehungs-departement. Obwohl er das Urteil erwartet habe, sei er «erleichtert», sagt er im Regionaljournal Basel auf SRF 1.

Felder ist zufrieden, dass das Gericht das Konzept des Unterrichts als dem Alter angemessen ansieht: Auf dieser Stufe sei der Sexualkundeunterricht zwar obligatorisch, aber nur reaktiv vorgesehen: Lehrpersonen sollten also nichts ohne Anlass von sich aus erklären, sondern nur, wenn von Kinderseite Fragen kämen. Auch etwa ein diskriminierend gemeinter «Schwuler!»-Zuruf auf dem Pausenhof könne Anlass für eine Lehrperson sein, das Thema anzusprechen. So sei diese Sexualkunde keine Persönlichkeitsrechtsverletzung; im Gegenteil werde damit die Schutzpflicht gegenüber den Kindern erfüllt.

Entgegengekommen ist das Gericht den rekurrierenden Eltern nur in einem Detailpunkt, den Kosten: Weil ein Unterrichtsmittel anfangs offiziell «Sexbox» geheissen hatte, habe der Kanton Missverständnisse mitzuverantworten. Deswegen wurde das Verfahren der Vorinstanz für kostenlos erklärt - die Gerichtsgebühren hingegen müssen sie als Unterlegene bezahlen.

schh/sda/racc

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Hunziker, 4456 tenniken
    Angesichts der Tatsache, dass viele Erwachsene mit Sexualität nicht normal(!!!) und ungezwungen umgehen können, macht es durchaus Sinn, dass unser Bildungssystem in Ergänzung(!) zu den immer hochkompetenten(hahaha) Elternhäusern ein Minimalprogramm an sexueller Erziehung anbieten. Oder haben da welche "Zukurzgekommenen" Angst, dass ihre Kinder plötzlich mehr wissen als ihre Eltern?
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  • Kommentar von Erich Buchs, Faulensee
    Immer wieder staune ich ob der Naivität von klugen Köpfen in unserem Erziehungsdepartement, ja selbst von Leuten des Basler Appelationsgerichtes, die solche Entscheide betreffs Sexualunterricht im Kleinkindalter treffen! Schreckliche Vergewaltigungen und und Übergriffe auf Mädchen von kaum pubertierenden Knaben, wie uns die Medien kürzlich davon berichteten, werden definitiv rasant zunehmen! Wahrscheinlich werden sie aber für meine warnenden Zeilen kaum ein mitleidiges Lächeln übrig haben.....!
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    1. Antwort von W. Helfer, Zürich
      E. Buchs. Das dürfte nicht das einzige Problem sein, das zunehmen wird. Auch Genitalverletzungen bei den Mädchen durch Gegenstände dürfte zunehmen. Es geht hier um experimentierfreudige Kleinkinder und nicht um 10 Jährige.
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    2. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Sexualkunde - Unterricht bezüglich "Aufklärugung" ist nur ein Teil des Ganzen - ein grosser Teil des Sexualkundeunterrichts betrifft den Schutz der Kinder vor Übergriffen, von Seiten gleichaltriger wie der Erwachsenen. In Eurer Argumentation stütz Ihr Euch auf Einzelfälle und schliesst daraus auf eine allg. Tendenz: Ja so geht das nicht - Dann bitte Fakten und Zahlen nennen!
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    3. Antwort von C. Meier, Kriegstetten
      Kinder im Kindergartenalter sehen in allem ein Spiel. Ich glaube, dass sie durch zu frühe Aufklärung erst auf die Idee kommen Sexualität plötzlich wichtig zu nehmen. Das Schamgefühl, welches sich normalerweise mit 6- 8 Jahren entwickelt wird damit beschnitten, weil den Kindern beigebracht wird, dass es völlig normal ist, sich mit Geschlechtsteilen (auch mit denen anderer) zu beschäftigen!
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    4. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Ich empfehle Ihnen L. Kunz eine solche "Sexbox" mal anzuschauen. Und mir dann erklären was Sie glauben, was so ein 5-jähriges Kind wohl denken mag, wenn eine vertraute Person genau das mit ihnen "spielt". Aufklärung gegen Missbrauch ist sehr wichtig! Aber diese "Sexboxen" sind wohl eher das Gegenteil. Und wenn Sie Fakten und Zahlen für die Zukunft wollen, müssen Sie einen Hellseher fragen. Dass die Zahlen zunehmen werden wird aber Fakt sein.
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    5. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      @ W. Helfer, die Erwachsenen sollen nicht mit den Kindern den Sexkoffer "spielen", sondern die Kinder mit den Dingen des Sexkoffers. Aber ich muss Ihnen da schon auch recht geben, der Koffer ist mehr als doof.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    "Mensch schon immer mit Scham-+Schuldgefühlen ausgestattet " Das glaube ich nicht.Immerhin stammen wir vom Schimpansen ab u.die vögeln noch heute aller Öffentlichkeit.Vermute halt schon,dass mit der Abspaltung u.wohl auch eiweissreicheren Ernährung dem Mann seine Muskelstärke u.die Schläue der Frauen bewusst wurde.Liest man über Sozialverhalten Gemeiner Schimpansen,verglichen mit Bonobos,deren Sozialstruktur matriarchalisch geprägt ist,istdiese Perspektive nicht abwegig:Beginn rel.Patriarchate.
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