Wenn der Friedhof selbst tötelet

Der Basler Wolfsgottesacker beherbergt viele alte Familiengräber. Die altehrwürdigen Gräber sorgen für eine spezielle Stimmung auf dem Friedhof, machen aber auch Probleme. Die Gräber sind so alt, dass es keine Familienmitglieder mehr gibt, die sie pflegen könnten.

Grab von Pflanzen überwuchert

Bildlegende: Viele Gräber sind schon sehr alt und drohen zu verwahrlosen. SRF/Martina Inglin

Die alten Gräber auf dem Wolfsgottesacker versetzen einen zurück in eine längst vergangene Zeit: Von Moos überwachsene Jahreszahlen um 1850 stehen in Schnörkelschrift in Stein gemeisselt. «Der Friedhof hat eine ganz spezielle Atmosphäre», sagt Marc Lüthi, Leiter Bestattungswesen.

Aber die alten Gräber brauchen auch viel Pflege - Pflege, die sie oft nicht erhalten. «Wir haben teilweise schlicht keine Ansprechpartner mehr.» Deshalb gebe es auf dem Friedhof viele verwahrloste Gräber. «Früher war es normal, ein Grab zu kaufen, während man es heute für 20 oder 40 Jahre mietet. Und weil viele alte Gräber auf dem Wolfgottesacker verkauft sind, dürfen wir sie nicht antasten», sagt Lüthi.

Kann über Jahre niemand ausfindig gemacht werden, so kann ein Grab weiterverkauft oder in ein Staatsgrab umgewandelt werden. Darüber entscheidet jeweils die Denkmalpflege. «Entweder muss der Grabstein eine historisch wertvolle Komponente haben, oder der Begrabene war eine historisch wichtige Figur». Wird ein Grab zu einem Staatsgrab, übernimmt der Kanton die Pflege, aber: «Leider fehlt uns hier oft das Budget», sagt Marc Lüthi. So kommt es, dass auch bei bedeutenden Basler Zeitgenossen das Unkraut bis zum Grabstein wächst.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)