100 Freiburger Gemeinden fürchten Baustopp

In drei Wochen tritt das eidgenössische Raumplanungsgesetz in Kraft. Bauzonen dürfen danach nur noch unter strengen Auflagen bewilligt werden. Viele Freiburger Gemeinden fürchten einen Entwicklungsstopp. Sie hoffen, dass der Staatsrat ihre Pläne noch rechtzeitig absegnet - wohl vergebens.

Die Landi am Bahnhof Kerzers. Sie soll in die Inustriezone verlegt werden.

Bildlegende: Die Landi Kerzers soll vom Bahnhof in die neue Industriezone verlegt werden. SRF

Schluss mit der Zersiedelung: Das haben die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger vor einem Jahr an der Urne entschieden. Am 1. Mai setzt der Bundesrat das revidierte Raumplanungsgesetz in Kraft. Danach gilt fünf Jahre ein Moratorium. Bauzonen dürfen dann nur noch gegen entsprechende Kompensation bewilligt werden. Viele Freiburger Gemeinden, die kein Bauland mehr haben, fürchten einen Baustopp.

Im Kanton Freiburg sind 100 Gemeinden an ihrer Ortsplanungsrevision. Auch Kerzers. «Wir haben keinen einzigen Quadratmeter Industrieland mehr», sagt Gemeindepräsidentin Susanne Schwander. Die Gemeinde am Rand des Grossen Moos möchte nebst Wohnzonen auch fünfzehn Hektaren Industrieland einzonen.

Der Gemeinderat habe jahrelang mit den Grundbesitzern und den Bauern verhandelt. Ohne grünes Licht durch den Staatsrat vor dem 1. Mai wäre alles vergebens, sagt Susanne Schwander: «Das wäre eine Katastrophe.» Viel Arbeit und 650‘000 Franken wären für die Katz. Die Gemeindepräsidentin bemängelt die Langsamkeit der Freiburger Behörden.

Yolande Peisl, Geschäftsführerin von Pro Natura Freiburg, warnt den Staatsrat. «Es dürfen keine Ortsplanungen voreilig bewilligt werden». 62 Prozent der Freiburgerinnen und Freiburg hätten das Raumplanungsgesetz angenommen.

«Der Staatsrat muss alle Ortspläne auf Eis legen», fordert Yolande Peisl. Zuerst solle der Kanton seinen Richtplan anpassen und dem Bundesrat zur Genehmigung vorlegen.

Maurice Ropraz, Raumplanungsdirektor des Kantons Freiburg, ist unter Druck. «Wir können keine Wunder bewirken.» Bis zum Mai werden höchstens fünf Ortsplanrevisionen bewilligt, sagt er. Priorität hätten Projekte von kantonaler Bedeutung. Dort also, wo sich der Kanton wirtschaftlich Entwicklung erhofft. «Bei Kerzers trifft das zu.» Seine Leute würden sogar am Wochenende an diesem Dossier arbeiten. Maurice Ropraz weiss auch: «Viele andere Projekte sind gestorben.» Er wehrt sich gegen den Vorwurf der Langsamkeit. «Jeder Ortsplan braucht 20 Gutachten», sagt er, auch weil es oft Einsprachen gebe.