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Angelika Boesch «1968 war eine lustvolle Zeit»

Auch in Bern geriet 1968 die Jugend in Bewegung. Eine Zeitzeugin erzählt, wie das Leben war zwischen Politik und Party.

Legende: Audio Angelika Boesch über eine lustvolle Zeit und was davon geblieben ist (3.1.2018) abspielen. Laufzeit 14:00 Minuten.
14 min, aus Regi BE FR VS vom 03.01.2018.

«Wir haben sehr viele Feste gefeiert, sehr viele Nächte durchgemacht, sehr viel getrunken, sehr viel geraucht, sehr viel gelacht», erzählt Angelika Boesch. Sie war damals 22-jährig und mitten in der Berner 68er-Szene. Es sei eine lustvolle Zeit gewesen. «So wahnsinnig ernsthaft war das gar nicht, dünkt es mich im Rückblick.»

Das politische Engagement hatte etwas Sportliches, Kämpferisches, auch Witziges.
Autor: Angelika BoeschAlt-68erin

Natürlich gab es viele politische Diskussionen am Feierabend und politische Aktionen. Zum Beispiel Demonstrationen gegen den Schah von Persien, der Bern besuchte. Die Reaktion der Polizei sei happig gewesen, erinnert sich Angelika Boesch, die mitten drin war und Tränengas abbekam. «Das schweisste natürlich wieder zusammen.»

Gleichberechtigung? Von wegen!

Auch wenn die 68er-Bewegung politisch links war – Frauen hatten es nicht leicht. «Auch die Linken waren männerdominiert», sagt Angelika Boesch. «Man musste etwas tun, um nicht einfach Anhängsel und Dekoration zu sein.» Das Bewusstsein, dass da etwas nicht stimmt, habe sich bei Männern und Frauen zuerst entwickeln müssen.

Um tun zu können, was sie wollte, machte sich die gelernte Buchhändlerin 1974 beruflich selbstständig: Sie übernahm die linke, theologische Berner Buchhandlung Voirol.

1968 hat mir einen langen Atem gegeben.
Autor: Angelika BoeschAlt-68erin

Und was blieb aus dieser Zeit? «Das Bewusstsein, das mir 68 eingepflanzt hat, was man mit dieser Welt tun könnte – ob das träumerisch oder illusorisch ist, ist völlig egal, aber man hat es wenigstens versucht.» Und wenn es in die Hosen gegangen sei, habe man etwas Neues angefangen. «Dieses Nicht-Aufgeben, der lange Atem, das ist für mich ein Erbe von 68.»

Buch und Ausstellung zum Thema

«Revolte, Rausch und Razzien – Neunzehn 68er blicken zurück»: In diesem Buch des Stämpfli Verlags befragen Berner Journalistinnen und Journalisten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, darunter Angelika Boesch.
«1968 Schweiz» heisst die Sonderausstellung im Bernischen Historischen Museum (bis 17. Juni 2018).

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 6:32/17:30 Uhr)

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Kaufmann (Michael Alexander Kaufmann)
    Danke, liebe 68er, für euren Einsatz. Es hat sich seither vieles zum Besseren gewendet. Wir tragen die Fackel weiter.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Da es offenbar über den Jahreswechsel 17/18 keine "grössere Saubannerumzüge" oder "multikulturelle Schlägereien" gab, wird eine linke Zeit-Zeugin aus dem 1968er-Zeitgeist zum Neujahrs-Grossbericht! Ja, die 68iger veränderten (leider) sehr vieles in negative Gesellschaftsnormen (antiautoritäre Erziehung, Rücksichtslosigkeit, Abfall überall liegen lassen, bis hin zu Angriffen gegen Buschauffeure und Zugkontrolleure!) Was blieb, ist die sofortige Kritik, wenn jemand diese Fakten beim Namen nennt!
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    1. Antwort von Alex Bauert (A. Bauert)
      Herr Bolliger, wie genau steht es um den Zusammenhang von 68er und Angriffen gegen Zugkontrolleure? Die Rücksichtslosigkeit, mit der Erwachsene Kinder schlugen war damals super, nicht wahr?
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    2. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Auch wenn sie unsachlich und themenfremd ist, aber sie kam postwendend, die Kritik, so wie ich es oben im letzten Satz beschrieb, oder Herr Bauert?
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    3. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      Herr Bolliger offenbart wieder einmal seine wütende Ahnungslosigkeit über geschichtliche Zusammenhänge. Die 68er veränderten nämlich manches ins Positive: Sie schufen ein Bewusstsein für die Benachteiligung der Frauen und die Ausbeutung der Dritten Welt durch die "freie Marktwirtschaft", entlarvten selbsternannte Autoritäten, lockerten die sturen Umgangsformen der Nachkriegszeit. Die 68er auf "Angriffe auf Zugskontrolleure" und "Abfall liegen lassen" zu reduzieren, zeugt von einiger Ignoranz.
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    4. Antwort von Theres Keiser (TheKe)
      Herr Bolliger weist in der Reaktion nochmals bestimmt auf seinen Schlusssatz im ersten Eintrag hin. Daraus ersehe ich, dass er - und damit ist er nicht allein - persönliche Meinung mit Fakten bzw. Wahrheit verwechselt.
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