Anonyme Geburt und Babyfenster im Wallis

Ab sofort können Mütter in den Walliser Spitälern vertraulich gebären, also ohne ihren Namen zu nennen. Oder sie können ihr Neugeborenes im Spital Sitten in ein Babyfenster legen. Das Angebot dürfte auch von Frauen aus andern Kantonen in Anspruch genommen werden.

Der Kanton Wallis verstärkt seine Angebote für Schwangere und Mütter in Not. Neu ist es möglich, ein Kind im Spital vertraulich zur Welt zu bringen, also ohne die eigene Identität zu nennen. Vor der Geburt kann sich eine Frau auch anonym beraten lassen. «Bei einer vertraulichen Geburt bekommt die Frau die volle medizinische Betreuung», sagt die zuständige Walliser Staatsrätin Esther Waeber-Kalbermatten. Die Mutter muss allerdings ihren Namen in einem Couvert deponieren. «Wenn das Kind volljährig ist, hat es das Recht, den Namen seiner Mutter zu erfahren.»

«  Man muss jedes Leben retten, das man retten kann. »

Esther Waeber-Kalbermatten
Walliser Gesundheits- und Sozialdirektorin

Komplett anonym ist das Babyfenster, das am 1. Februar im Spital Sitten eröffnet worden ist. Dort können Frauen ein Neugeborenes abgeben, ohne ihren Namen zu hinterlassen.

«Es war der Wille des Parlaments, dass wir ein Babyfenster eröffnen», sagt Esther Waeber-Kalbermatten. Und sie ist der Überzeugung, dass es eine gute Sache ist, ebenso wie die anonyme Geburt im Spital: «Jedes Leben, das man so retten kann, muss man retten.»

Das Babyfenster befindet sich in einer wenig frequentierten Passage und hat eine Öffnung nach aussen. Spitaldirektor Eric Bovin geht davon aus, dass das neue Angebot auch von Frauen aus andern Kantonen in Anspruch genommen werden könnte. Das Babyfenster in Sitten ist das erste in der Westschweiz.

Es entspricht gemäss Mitteilung des Walliser Gesundheitsdepartements «den Anforderungen an die medizinische Sicherheit, an einen einfachen Zugang, an Diskretion und Anonymität sowie an eine ideologische, politische und religiöse Neutralität».