Berner Kantonsparlament will schärfere Gesetze gegen Hooligans

Der Kanton Bern will dem verschärften Hooligan-Konkordat beitreten. Der bernische Grosse Rat hat nach einer wahren Redeschlacht einem Beitritt zugestimmt. Das Referendum ist bereits angekündigt.

Der Kanton Bern will dem verschärften Hooligan-Konkordat beitreten. Der bernische Grosse Rat hat am Mittwoch nach einer wahren Redeschlacht einem Beitritt zugestimmt. Mit 108 zu 39 Stimmen stellte sich das Parlament hinter die Verschärfung des bereits seit mehreren Jahren bestehenden Konkordats.

Ein Antrag auf Rückweisung des Geschäfts blieb chancenlos.

Hemdsärmlige Debatte

In der teilweise sehr emotionalen Debatte prallten fast drei Stunden lang die Meinungen aufeinander. Nach acht Fraktionssprechenden standen über ein Dutzend Einzelsprecher vor dem Rednerpult Schlange. Für einmal war die Zuschauertribüne im Ratssaal gut gefüllt. «Wir haben die Nase voll von Gewalt in und um die Sportstadien», ereiferte sich FDP-Fraktionssprecher und Parteipräsident Pierre-Yves Grivel und sprach damit vielen Votanten aus dem Herzen.

Der Staat dürfe sich nicht von einzelnen, gewaltbereiten Fans und Clubs, die das tolerierten, «auf der Nase herumtanzen lassen», doppelte EVP-Sprecher Ruedi Löffel nach. Es brauche griffigere Massnahmen. Die Steuerzahler seien nicht mehr gewillt, ständig «die Scherben der Ausschreitungen» zu zahlen, fand auch EDU-Sprecher Peter Bonsack.

Unverhältnismässige Massnahmen

Die Massnahmen würden übers Ziel hinausschiessen und nicht nur die zweifellos unerwünschten Hooligans und Chaoten treffen, sondern alle Fans, gaben verschiedene Votantinnen und Votanten im Rat zu bedenken. Mit dem Konkordat seien massive Eingriffe in die individuelle Freiheit verbunden, warnte Blaise Kropf (Grüne). Er war einer von insgesamt sieben Grossräten aus den Reihen von BDP, Grünen, SP, FDP, GLP und SVP die eine Rückweisung des Geschäfts verlangten. Vor Bundesgericht sei gegen das verschärfte Hooligan-Konkordat noch eine Beschwerde hängig. Das höchste Gericht prüfe, ob die Verschärfungen nicht gegen Bundesrecht verstiessen. Diesen Entscheid solle der Kanton Bern doch abwarten. Der Antrag auf Rückweisung blieb jedoch chancenlos.

«Es ist kein Grundrecht, betrunken und gewalttätig ein Fussballspiel besuchen zu können», konterte der Thuner Sicherheitsvorsteher und SP-Grossrat Peter Siegenthaler. «Haben denn ausser den gewaltbereiten Chaoten andere Menschen auch Grundrechte?», stellte Regierungsrat Hans-Jürg Käser die rhetorische Frage in den Raum.

Volk wird voraussichtlich entscheiden

Die Fanclubs der Berner Sportvereine werden gegen den Entscheid das Referendum ergreifen. Dies sei bereits sicher, sagte Clemens Friedli vom Dachverband der YB-Fanclubs am Rand der Grossratsdebatte. «Sobald der Entscheid im Amtsblatt publiziert ist, werden wir beginnen, Unterschriften zu sammeln.»

Vor einem allfälligen Referendum habe er keine Angst, betonte Polizeidirektor Hans-Jürg Käser. «Fragen Sie einmal die Leute auf der Strasse. Ein solches Referendum wird hochkant abgelehnt», prophezeit er.

Das Hooligan-Konkordat

Kernstück des verschärften Konkordats ist eine Bewilligungspflicht für Fussball- und Eishockeyspiele der höchsten Spielklasse. Für die Bewilligung sind die Gemeinden zuständig. Sie haben auch die Möglichkeit, die Bewilligung mit Auflagen zu versehen. Dazu gehören etwa die Anreise per Kombiticket oder ein
Alkoholverbot im Stadion.