Berner Sozialprojekt: «Es nützt allen etwas»

Neue Idee aus Bern für Sozialhilfebezüger. Firmen sollen sie anstellen – aber nicht voll bezahlen. Den Rest zahlt die Stadt. Doch der Start ist schwierig.

Rund 700 Menschen in Bern beziehen Sozialhilfe. Ein Teil von Ihnen findet bald wieder Anschluss an die Arbeitswelt. Bei anderen ist es schwieriger und langwieriger. «Diese Personen sind meist schlecht ausgebildet und körperlich oder psychisch angeschlagen», sagt der Leiter des Sozialamtes der Stadt Bern, Felix Wolffers.

Frisch geputzter Boden mit Wischmopp.

Bildlegende: Gerade Arbeiten in der Reinigungsbranche sollen vermittelt werden. Keystone

Diesen Personen nimmt sich die Stadt mit dem sogenannten «Teillohnsystem» an. Die Stadt vermittelt sie an Firmen. Dort arbeiten sie so gut und so viel sie können.

Die Firma zahlt für die erbrachte Arbeit, den Rest berappt die Stadt. Das lohne sich, ist Felix Wolffers überzeugt.

Doch die Suche nach geeigneten Stellen gestaltet sich aufwendig. «Es ist ein Knochenjob», so Wolffers. Seit Anfang Februar sind zwei Jobvermittler der Stadt auf der Suche. Noch konnte niemand vermittelt werden.

Gutes Echo aus der Wirtschaft

Bernhard Emch ist Geschäftsführer der Emch Aufzüge AG und Präsident des Handels- und Industrievereins HIV Sektion Bern. Er steht voll hinter dem Projekt. «Alle können profitieren: das Unternehmen, die Betroffenen und die Steuerzahler.»

Auch das Echo seiner Wirtschaftskollegen sei gut. Doch: «Es braucht viel Akzeptanz der Mitarbeiter.» Davor schrecken viele Wirtschaftschefs offenbar zurück und zeigen sich zurückhaltend. An einem Anlass Ende März sollen die 1300 Firmenmitglieder des HIV Sektion Bern vom Teillohnsystem überzeugt werden.

Auch mit dem Gewerbeverband laufen Gespräche. Bis Ende 2014 möchte die Stadt 40 Personen bei verschiedenen Firmen unterbringen. «Wir sind zuversichtlich», sagt Felix Wolffers vom Sozialamt.