Das Berner Stadtparlament stellt sich hinter den Tramausbau

Zwei Tramprojekte standen am Donnerstagabend im Berner Stadtrat zur Debatte. Dieser sagt Ja zur weiteren Planung einer zweiten Tramachse durch die Berner Innenstadt. Das Parlament hat ebenfalls den Anteil der Stadt Bern von 54,6 Millionen Franken an das geplante Tram Region Bern genehmigt.

Eine Strasse mit Tram.

Bildlegende: So soll die neue Tramlinie in Ostermundigen Rüti aussehen. zvg

Vor Mitternacht genehmigte der Stadtrat den vom Gemeinderat beantragten Ausführungskredit für den Bau der neuen Tramlinie 10 mit 49 zu 14 Stimmen. Zuvor waren zwei Rückweisungsanträge aus den Reihen der SVP und des linksgrünen Stadtrats Luzius Theiler abgelehnt worden.

Der Kredit umfasst den Stadtanteil an die Gesamtkosten des Trams, die mindestens 495 Millionen Franken betragen. Die Stadt investiert auch Geld, um Strassen, Plätze und Anlagen auf dem städtischen Teilstück des Trams zu sanieren und aufzuwerten. Die neue Tramlinie 10 soll die heutige, chronisch überlastete Buslinie 10 von Köniz über Bern nach Ostermundigen ersetzen.

Für den Kredit stimmten neben den Rot-Grün-Mitte-Fraktionen auch die Grünliberalen und die Fraktion BDP/CVP. Gegen das Tramprojekt wandten sich die FDP- und die SVP-Fraktion sowie die drei Vertreter kleiner Linksaussen-Parteien. Die Debatte war intensiv, weil sich die diversen Interessen gegenüberstanden. Da waren die Vertreter des Individualverkehrs - Auto und Velo - die Naturschützer, die Gewerbler und die Befürworter des ÖV-Ausbaus.

Die Befürworter sagten, das Tram Region Bern bringe mehr Lebensqualität, indem es den öffentlichen Verkehr attraktiviere und dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz leiste. Wenn die Linie 10 nicht mehr so überfüllt sei, würden mehr Pendler vom Auto auf den öffentlichen Verkehr umsteigen.

Die dringend nötige Kapazitätserweiterung auf der Linie 10 komme auch der Stadtbevölkerung zugute. Zudem werde die Landschaft geschützt, weil das Tram Verdichtung nach innen ermögliche und so die Zersiedelung stoppe.

Die Gegner hingegen sprachen von einem «Murks». Hier sei durch Experten und Behörden «von oben nach unten» geplant worden, die Mitwirkungsmöglichkeiten seien ungenügend gewesen. Punkto Linienführung brauche es Verbesserungen, zudem sei eine Variante mit Megabussen statt Tram zu prüfen.

Für die Kritiker im Stadtrat sind die Gesamtkosten des Trams Region Bern intransparent und wohl zu tief veranschlagt. Die Zeche für den Tram-Unterhalt werde der städtische Steuerzahler übernehmen müssen. Nicht zuletzt bedeute das Projekt einen Verlust von Lebensqualität in der Stadt, weil mehrere Alleebäume dem Trambau weichen müssten, wie mehrere Sprecher bedauerten.

Nach dem Parlament ist das Stimmvolk am Zug. Am 28. September befinden nicht nur die Stadtbernerinnen und Stadtberner über den Tramkredit, auch die Stimmbevölkerung von Köniz und Ostermundigen wird zur Urne gebeten, um über den Kreditanteil ihrer Gemeinden zu entscheiden.

Planung für zweite Tramachse

Die Hauptgassen der Berner Innenstadt sollen durch eine zweite Tramachse entlastet werden. Das Stadtparlament hat am Donnerstag einen Projektierungskredit von 1,25 Millionen Franken genehmigt. Der vom Gemeinderat beantragte Kredit kam mit 51 Ja- zu 15 Nein-Stimmen nach turbulenter und teils gehässiger Debatte durch.