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Bern Freiburg Wallis Das Spital Riggisberg schreibt ein Millionen-Defizit

Ende Juli soll die Geburtenabteilung in Riggisberg geschlossen werden. Dieser Entscheid wird von den Bürgern im Gurnigel-Gebiet nicht akzeptiert. Am Montagabend präsentierte der Verwaltungsrat neue Zahlen zum Betrieb des kleinen Landspitals. Es fehlen jährlich 2 Millionen Franken.

Zuschauer sitzen in der Turnhalle.
Legende: Weil die Aula zu klein war, mussten die Zuhörer in die Turnhalle wechseln. SRF

Die Schliessung der Geburtenabteilung in Riggisberg bewegt: Weil fast 400 Interessierte kamen, musste die Versammlung von der Aula in die Turnhalle verlegt werden. Das Interesse war deshalb so gross, weil sich der Verwaltungsrat der Spital Netz Bern AG zum ersten Mal gegenüber den Betroffenen direkt äusserte.

Spital schreibt jährlich ein Millionen-Defizit

Die Anwesenden hörten nicht gerne, was der oberste Spitalchef Joseph Rohrer zu sagen hatte. Er gab nämlich zum ersten Mal Zahlen aus der Jahresrechnung des Betriebs bekannt. Im letzten Jahr soll das Spital Riggisberg ein Defizit von 2 Millionen Franken geschrieben haben. Dazu beigetragen hat offenbar auch die Geburtenabteilung. Pro Geburt legt die Spital Netz Bern AG in Riggisberg durchschnittlich 3000 Franken drauf. Geld, das zum Beispiel in einem der Stadtspitäler wieder erwirtschaftet werden muss.

Joseph Rohrer.
Legende: Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer muss sich in Riggisberg viel Kritik anhören. SRF

Rohrer gab noch mehr bekannt: Mit ein Grund für den Fachärztemangel sollen die Dienste in Riggisberg sein. So absolviere ein Arzt pro Jahr 120 24-Stunden-Dienste. Zudem sollen im vergangenen Jahr im Nachtdienst nur gut 50 Operationen angefallen sein - durchschnittlich eine pro Woche.

Die Informationsveranstaltung dauerte nicht nur wegen der Zahlen und den Ausführungen des Verwaltungsrats gut zwei Stunden. Es kam auch zu einer «Chropflährete». Lokale Politiker, Grossräte, Hebammen und leitende Ärzte des Spitals liessen in aller Öffentlichkeit Dampf ab und kritisierten den Schliessungsentscheid der Geburtenabteilung.

Da half es dem Verwaltungsratspräsidenten der Spital Netz Bern AG wenig, immer wieder auf das jährliche Defizit seines Betriebs in Riggisberg hinzuweisen. Dieses soll nach neusten Zahlen rund 2 Millionen Franken betragen. «Diese Lücke stopft mit der Einführung des neuen Krankenversicherungsgesetzes niemand mehr», sagte Rohrer. Trotz roter Zahlen versprach der oberste Chef, das Landspital mit einem angemessenen medizinischen Angebot weiter zu führen.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Mathias Schmeiser, Hilterfingen
    Trotz der Unmenschlichkeit, die diese Schliessung mit sich bringt, möchte ich kurz die Rechnung von Frau Liechti in Fragen stelllen: Ich glaube im Artikel steht Fr. 3000.- Bedeutet dies nicht 3000 x 350 = 1 050 000.- CHF. Wenn das mit den 2 Mio stimmt sind diese 50% vom Gesamtdefizit! Oder habe ich da was übersehen? Abgeshen von der Richtigkeit der Zahlen. Gewinn oder Verlust so ist das System. So funktioniert leider die Marktwirtschaft im kapitalistischen Gesellschaftssystem.
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    1. Antwort von Barbara Eiselen, Bern
      Gewinn oder Verlust, ja! Kurzfristig! Leider werden einige Kosten, die in der Zukunft anfallen nicht berücksichtigt. Diese Kosten sind ungewiss, unsicher, deren Ursachen kaum nachvollziehbar, sie interessieren heute niemanden. Unsere Nachkommen sollen dann damit klar werden. Beispiel: Wer arbeitet gerne, motiviert, viel, mit Herzblut in einem überdimensionierten Betrieb, wo Entscheide von Oben diktiert werden? Welche Folgen hat dies auf die psychische Gesundheit von Ärzte und Patienten?
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  • Kommentar von Stefanie Liechti, Bern
    Ein Defizit von 2 Milionen CHF im Jahr 2012. Dafür sei auch die Geburtenabteilung mitverantwortlich. 300.- CHF pro Geburt habe bei den 350 Geburten gefehlt. Kurz nachgerechnet: Die Geburtenabteilung hat ein Defizit von 105'000 CHF verursacht. Die entspricht gerade einmal 5.25% des Verlustes im Jahr 2012. somit wird also finanziell nicht viel erreicht mit dieser Schliessung.... Was sind die wahren Gründe?!?!?!
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    1. Antwort von Anna Hofstetter-Müller, Zweisimmen
      An dem hab ich auch rumstudiert! Ausserdem: wenn man Herrn Rohrer zuhört, könnte man tatsächlich davon ausgehen, dass die Ärzte nächtelang im Spital sitzen und warten. Wenn ich mich richtig erinnere war es jedoch so, dass, als meine Tochter zur Welt kam, der Arzt sehr schnell zur Stelle war, aber nicht im Spital Däumchen gedreht hat, obwohl es eine Risikogeburt war. Pikettdienst ist für mich nicht dasselbe wie warten, dass etwas geschieht und ich denke, dass auch die Kosten nicht dieselben sind!
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  • Kommentar von Thomas Hirter, Bern
    Dem Verwaltungsrat der Spital Netz AG mangelt es an gesundem Menschenverstand. Der Entschluss zur Schliessung der Geburtenabteilung in Riggisberg fiel durch unmenschlichen Gesundheitsverstand!
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