Präventionsprojekt in Köniz «Das Thema sexuelle Übergriffe muss präsent sein»

Köniz hat in den letzten Jahren alle über 500 Lehrpersonen der Gemeinde zu Fachtagungen eingeladen, J&S-Kurse für Sportlehrer und Veranstaltungen für Vereine organisiert, Broschüren verteilt und Plakatkampagnen gemacht. Das Ziel: Ein täterfeindliches Umfeld zu schaffen.

Ein Junge schaut in die Kamera, daneben steht: «Keine sexuellen Übergriffe.»

Bildlegende: Ein Plakat der Kampagne im Rahmen des Präventionsprojekts. zvg/Gemeinde Köniz

2013 wurde bekannt, dass ein Schulsozialarbeiter auch in Köniz Knaben sexuell ausgebeutet hat. Die Gemeinde entschied daraufhin, das Präventionsprojekt mit dem Namen «Köniz schaut hin» zu starten. Unter anderem wurden alle gut 500 Lehrpersonen von Köniz zu einer Fachtagung eingeladen.

Porträt von Regula Hasler.

Bildlegende: Schulsozialarbeiterin Regula Hasler. zvg/Regula Hasler

Regula Hasler arbeitet an der Schule Spiegel bei Köniz als Schulsozialarbeiterin. Sie hat Lehrpersonen erlebt, die nach der Fachtagung zum Thema «sexuelle Übergriffe» verunsichert waren. «Es gab Lehrerinnen die mich gefragt haben, ob sie jetzt die Schüler nicht mehr umarmen dürften.» Man wolle ja kein körperfeindliches Umfeld schaffen, aber sensibel sein im Bereich Nähe und Distanz.

«  Es ist besser, nur eine Hand auf die Schulter zu legen, als ein Kind voll zu umarmen. »

Regula Hasler
Schulsozialarbeiterin Schulhaus Spiegel

Porträt von Sandra Gilomen.

Bildlegende: Sandra Gilomen, Judokai Köniz. Christine Widmer/SRF

Im Judo bei Sandra Gilomen sind Berührungen im Training zumindest unter den Kindern kein Thema. «Wir machen Judo, da kommt es zu Berührungen. Aber wenn ein Mädchen nicht mit einem Jungen kämpfen möchte, respektiere ich das.» Unter ihren drei Leiterinnen und Leitern sei aber die Verunsicherung über Hilfestellungen gross gewesen.

«  Darf ich noch mit einem Kind einen Wurf vorzeigen, haben sie gefragt. Aber ich mit meiner 50-jährigen Erfahrung konnte sie beruhigen. »

Sandra Gilomen
Trainerin Judokai Köniz

Sandra Gilomen und ihre Leiterinnen und Leiter haben im Rahmen des Präventionsprojekts «Köniz schaut hin» einen J&S-Kurs besucht. Besonders hilfreich sei die Broschüre mit Meldestellen und der Ablauf bei einem Verdachtsfall gewesen, die abgegeben worden sind, sagt Gilomen.

Daniel Hofmann im Porträt.

Bildlegende: Schulleiter Daniel Hofmann. Christine Widmer/SRF

Schulleiter Daniel Hofmann spricht von vielen Diskussionen, die nach der Fachtagung im Lehrerzimmer geführt wurden. Zum Beispiel, wie ein Nachhilfeunterricht durchgeführt wird. «Die Türe wird nicht geschlossen und es wird den Kollegen klar kommuniziert, dass ein Unterricht mit einem Kind stattfindet.» Für den Schulleiter hat sich mit dem Projekt auch der berufliche Alltag verändert.

«  Jede Lehrperson, die sich bewirbt, muss einen Strafregisterauszug vorlegen. Ich glaube schon, dass das wirkt. »

Daniel Hofmann
Schulleiter Schule Spiegel

Zudem wurde in jeder Schule der Gemeinde Köniz eine Meldestelle installiert und auf der Internetseite der Schulen ist das Projekt «Köniz schaut hin» präsent. Das Ziel des Präventionsprojekts: Ein täterfeindliches Umfeld zu schaffen und so sexuelle Übergriffe zu vermeiden.

Lukas Meili im Porträt.

Bildlegende: Lukas Meili, Beauftragter für Prävention der Gemeinde Köniz. Christine Widmer/SRF

Ein Grossteil der Veranstaltungen ist jetzt abgeschlossen. Lukas Meili, Präventionsbeauftragter der Gemeinde Köniz, glaubt an die Wirkung des Projekts. «Unsere Fachstelle hatte mehr Anfragen. Nicht nur von Vereinen oder Schulen, auch von Privatpersonen.» Und zum Beispiel der Parcours «Mein Körper gehört mir» für alle Drittklässler, werde weitergeführt.

«  Man spricht in den Teams mehr über das Thema, ohne gleich einen Verdacht zu äussern. »

Lukas Meili
Präventionsbeauftragter Köniz

Ob sexuelle Übergriffe so ganz vermieden werden können, sei natürlich fraglich. Aber die Sensibilisierung sei sicher erreicht worden. «Und ein möglicher Täter fühlt sich nicht wohl in einem Umfeld, wo man transparent über das Thema sexuelle Übergriffe spricht.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)