«Den Patienten geht's gut, aber ich brauche einen Seelsorger»

Wenn die Pflegerin oder der Chirurg an ihre Grenzen kommen, dann kommt Thomas Wild zum Zug. Er ist Seelsorger im Inselspital Bern und kümmert sich dort nicht nur um die Seelen von Patienten und Angehörigen, sondern auch um jene der Mitarbeitenden. Dieses Angebot ist gefragt - je länger je mehr.

Thomas Wild, Seelsorger am Inselspital, vor seinem Büro.

Bildlegende: Im Büro oder im Stationszimmer: Thomas Wild leistet seelsorgerische Hilfe, wenn's brennt. Brigitte Mader, SRF

Ein offenes Ohr, einen langen Atem und die richtigen Fragen: Das ist es, was Thomas Wild zu bieten hat als Spitalseelsorger. Seit fünf Jahren arbeitet er im Inselspital. Er ist da für die Patienten und die Angehörigen, aber auch für die Mitarbeitenden.

Rund 800 Mal werden Wild und sein Team jedes Jahr gerufen - allein vom Personal. Tendenz steigend. Da ist der Arzt, der sich grosse Vorwürfe macht, weil ein Patient, den er operierte, während des Eingriffs verstarb. Oder die Pflegefachfrau, die mit einem schwierigen Patienten zu tun hatte. Es sind kurze, einmalige Gespräche oder längere Begleitungen. Die einen kommen von sich aus, andere werden vom Vorgesetzten geschickt.

«Es zeugt von Selbstkompetenz, wenn jemand erkennt, dass seine Grenzen erreicht sind», sagt Wild. Und es nütze dem Spital als Arbeitgeber, wenn die Seele wieder repariert sei. Man dürfe das ganz ökonomisch sehen. «Wer als Arzt, Pflegefachperson oder auch als Physiotherapeut arbeitet, muss den Kopf frei haben.»

(SRF 4 News, Rendez-Vous, 12:30 Uhr)