Der Postparc in Bern: «Zu bescheiden»

Drei grosse Gebäude gehören zum Postparc an der Westseite des Berner Bahnhofs. In einem davon hat die Post am Montag die grösste Poststelle der Schweiz eröffnet. Der Neubau mit rund 40'000 Quadratmetern Fläche prägt das Stadtbild. Und hätte es auch auffälliger prägen dürfen, findet ein Beobachter.

Der Postparc besteht aus drei Gebäuden. Besonders ins Auge sticht das 181 Meter lange Gebäude entlang der Schanzenstrasse. «Gefällt mir gut, das passt hierhin», findet ein Passant. Ein anderer: «Langweilig, die übliche Crème-Schnitten-Architektur». Eine Frau mag den Postparc ebenso wenig wie andere moderne Gebäude. «Aber es ist wohl zweckmässig.»

«  Der Postparc ist sehr zurückhaltend in seiner Erscheinung. »

Thomas Frutschi
Raumplaner

Es sei gut, dass man hier verdichtet habe, findet Architekt und Raumplaner Thomas Frutschi. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Stadtentwicklung von Bern. Allerdings sei der Postparc «sehr zurückhaltend in der Erscheinung». Frutschi nimmt dabei den Architekten in Schutz: Dieser müsse sich an die Vorgaben der Investoren halten und an die Auflagen der Stadt. «Wenn der Architekt auf eine Stadt stösst, die will, dass das Gebäude möglichst nicht in Erscheinung tritt, dann kommt es so heraus.»

«  Zürcher und Basler haben einen markanteren Auftritt als Berner. »

Thomas Frutschi
Architekt

Eine Bescheidenheit - vielleicht typisch für Bern? «Vielleicht», sagt Thomas Frutschi. «Jedenfalls für Bern in unserer Zeit.» Er habe manchmal den Eindruck, die Zürcher und die Basler würden viel selbstbewusster hinstehen als die Berner.

Seiner Meinung nach, sagt Thomas Frutschi, hätte der Postparc auch höher gebaut werden können. Und warum nicht gleich die ganze Fassade mit einem «vertikalen Garten» begrünen statt nur eine schmale Seite? «Das würde dem Namen Postparc noch etwas mehr gerecht.»

Zur Adresse der grössten Poststelle der Schweiz (Bogenschützenstrasse 9b, Bern) sagt der Raumplaner: «Mit etwas Goodwill aller Beteiligten, also auch der Stadt, hätte man wahrscheinlich etwas Besseres gefunden.» Jeder Eingang der drei neuen Gebäude habe nun ein A, B, C oder D. «Das wirkt wie ein Hinterhof», was schade sei: «Das hat das Bauwerk nicht verdient.»

Viel Raum an bester Lage

Die Dienstleistungs- und Büroflächen des Postparcs messen rund 40'000 Quadratmeter. Die Post investierte rund 300 Millionen Franken in das neue Geschäftszentrum, das direkt über dem Berner Hauptbahnhof liegt.

In einem der drei Gebäude sind eine Poststelle und Beratungsräume von Postfinance. Die andern Flächen werden vermietet, unter anderem an Restaurants. Die Postfiliale hat 18 Schalter, die unter der Woche bis 21 Uhr durchgehend geöffnet sind. Am Sonntagabend empfängt die Post während fünf Stunden die Kunden. Gemäss der Post handelt es sich beim Standort am Hauptbahnhof um eine Toplage mit täglich bis zu 130'000 Passantinnen und Passanten.