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Bern Freiburg Wallis Die geheimnisvolle Überlebenskraft des Matteänglisch

Vorurteil 1: Matteänglisch ist nur noch ein Hobby von ein paar alten Männern. Vorurteil 2: Matteänglisch entwickelt sich nicht. Antwort 1: Junge Leute beweisen das Gegenteil. Antwort 2: So lange eine Sprache existiert, überlebt auch Matteänglisch. Allerdings dürften es ein paar Fans mehr sein.

Gewiss, Matteänglisch ist auch nicht mehr im Berner Mattequartier die gängige Umgangssprache. Und trotzdem ist es viel mehr als eine Sprachmumie, die von einer kleinen Gruppe von Dialektnostalgikern gepflegt wird, so gut es eben noch geht.

Beim bald 60-jährigen Matteänglisch-Club in Bern ist von Resignation nichts zu spüren. «Wir freuen uns auf unser neues Buch. Und wir sind auf dem Weg zu jüngeren Leuten.» sagt Clubpräsident Peter Hafen, ein Mätteler in vierter Generation, wohnhaft grad ännet der Aare. Und er erwägt durchaus auch den Weg in die sozialen Medien, um junge Leute anzusprechen. «Geheimsprache ja. Aber wenn wir sie erhalten wollen, müssen wir den Leuten zeigen, wie sie funktioniert», so Peter Hafen.

Junge Leute sind die Hoffnungsträger

Die jungen Menschen, die sich in diese historische Geheimsprache aus der Berner Matte wirklich reinknien, sind eher dünn gesät. Aber es gibt sie und sie sind die künftigen Leuchttürme für den Erhalt dieser Sprache. Zum Beispiel der 27-jährige Oliver Marti. Er hat sich mit dem Matteänglisch seit der Jugend intensiv auseinandergesetzt.

Bei uns ist Matteänglisch Familiensprache.
Autor: Simona BenoviciMatteänglisch-Sprecherin

Oder die Berner Kommunikationsfachfrau Simona Benovici, bei der das Matteänglisch die selbstverständliche Familiensprache ist mit den Eltern und ihren Geschwistern. Und praktischerweise die Geheimsprache in der Beiz, die noch niemand knacken konnte.

Matteänglisch funktioniert im Prinzip in jeder Sprache

Matteänglisch ist keine Sprache, sondern ein Sprachmeccano. Es hat seine Basis immer in der ganz normalen Umgangssprache. Die Wörter werden halbiert, die vordere Hälfte nach hinten gelegt, die hintere nach vorne und dazwischen hat es einzelne Laute und Kürzel.

Allerdings gibt es Begriffe, die fast nicht ins Matteänglisch zu übersetzen sind. Salat zum Beispiel. Zu viele a, die es im Matteänglisch nicht gibt. Da hilft einfach ein anderer Begriff. Grünzeug zum Beispiel.

Tönt unmöglich, ist für ungeübte Ohren völlig nicht zu verstehen – aber hat eine an sich logische, nachvollziehbare Konstruktion, die so eigentlich in jeder Sprache und in jedem beliebigen Dialekt funktioniert. Aber Peter Hafen, Simona Benovici und Oliver Marti sagen auch unisono: «Zuhören ist der Schlüssel, die Sprache lernen zu können. Reden geht relativ schnell. Aber verstehen, das ist die echte Herausforderung.»

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