«Doping macht auch vor dem Schwingen nicht Halt»

Keine Sportart widerspiegelt das Bild einer heilen Schweiz besser als das Schwingen. In diesem Bild hat es keinen Platz für Amphetamine oder für Anabolika. Trotzdem bleiben in unregelmässigen Abständen immer wieder Schwinger in Dopingkontrollen hängen. Einzelfälle oder nur die Spitze des Eisbergs?

«Doping macht auch vor dem Schwingen nicht Halt», sagt der Direktor von Antidoping Schweiz, Matthias Kamber. Sein Kompetenzzentrum für die Dopingbekämpfung führt bei Sportlern von 84 Verbänden Kontrollen durch. Antidoping Schweiz bestimmt, welcher Sportler sich wann kontrollieren lassen muss - vorausgesetzt, sein Verband ist Swiss Olympic angeschlossen. Swiss Olympic zählt zurzeit 84 Sportverbände. Prominenter Aussenstehender: der Eidgenössische Schwingerverband.

Ein Mann regelt die Dopingkontrollen

Deshalb laufen bei den Schwingern Dopingkontrollen auch etwas anders ab als bei den anderen Sportverbänden. Für die Kontrolle der über 5000 Aktivschwinger ist ein Mann verantwortlicher. Dieser bestimmt, wer wann kontrolliert wird und beauftragt Antidoping Schweiz mit dem Vollzug.

«Ausser dem Dopingverantwortlichen weiss niemand sonst im Verband, wer zur Urinprobe aufgeboten wird», versichert der Geschäftsführer des Eidgenössischen Schwingerverbands, Rolf Gasser, am Dienstag im Interview mit dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis». Sein Verband habe mit dem eigenen System gute Erfahrungen gemacht und den Bereich Doping zudem in einem Reglement abgehandelt. «Doping ist auch bei uns ein wichtiges Thema», so Gasser, «denn Schwingen ist kein Heidiland.»

Schwinger diskutieren über Beitritt zu Swiss Olympic

Wäre der Eidgenössische Schwingerverband Mitglied von Swiss Olympic, würden deutlich mehr Dopingkontrollen durchgeführt als heute. Dann hätte Antidoping Schweiz das Zepter in der Hand, nicht der Schwingerverband selber. «Ich schätze, wir würden 30 bis 40 Kontrollen pro Jahr durchführen - vor einem so bedeutenden Anlass wie dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Burgdorf wesentlich mehr», sagt Matthias Kamber. Im Vergleich zu heute käme dies fast einer Verdoppelung der Kontrollen gleich.

Matthias Kamber im Porträt.

Bildlegende: «Hätten wir das Sagen, würden mehr Dopingkontrollen durchgeführt», sagt Antidoping Schweiz-Direktor, Matthias Kamber. Keystone

Gemäss Rolf Gasser muss sich der Schwingerverband in den nächsten Jahren die Frage stellen, ob man Swiss Olympic beitreten will. «Auf das Image des Schwingsports würde sich ein Beitritt positiv auswirken.» Dazu muss der Verband jedoch seine Basis befragen. Ein solcher Prozess kann bei den Schwingern wegen der Basisdemokratie erfahrungsgemäss mehrere Jahre dauern. Diesen Schritt längst vollzogen haben die Hornusser, die zweite typisch schweizerische Sportart.

In den letzten 12 Jahren sind drei Schwinger in Dopingkontrollen hängen geblieben: Entweder war ihr Testosteron wert zu hoch, sie hatten Anabolika oder verbotene Medikamente eingenommen.