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Bern Freiburg Wallis Flüchtlingskrise: Schlägt die Stunde der Freikirchen?

Sprachschulen oder Kaffeerunden: Immer häufiger engagieren sich Freikirchen in sozialen Projekten – gerade auch für Flüchtlinge. Neustes Beispiel: Der Zusammenschluss der Freikirchen, die evangelische Allianz, will jungen Asylsuchenden gläubige Gastfamilien vermitteln. Ist das problematisch?

Ausländerinnen und Ausländer an einem Tisch, dahinter ein grosses Kreuz
Legende: Deutschlernen im Gebetsraum: Schüler der Sprachschule der Thuner Freikirche BewegungPlus. Thomas Pressmann/SRF

In Thun betreibt eine evangelische Freikirche eine Sprachschule. Das Ziel: Den Flüchtlingen Deutsch beizubringen und den christlichen Glauben zu verbreiten. Eine Gruppe von Ausländerinnen sitzt in einem grossen Saal – eine Art Gebetshalle – an einem Tisch und versucht, deutsche Sätze zu entziffern. Dahinter steht ein grosses Holzkreuz. Eine Anhängerin der Freikirche BewegungPlus hilft ihnen bei den Übungen.

Die Botschaft des Herrn

Sie sei dankbar für den Unterricht, sagt eine Christin aus dem Irak. «Ich finde dieses Angebot sehr gut», sagt sie in gebrochenem Deutsch. Sie sei auch froh, dass die Kirchenleute während der Deutschlektion zu ihrem Sohn schauen. Von der Kirche merke sie nicht viel, sagt sie.

Die Freikirchen wollen auf sich aufmerksam machen.
Autor: Jörg StolzReligionswissenschaftler

Die Kirchenleute wollen durchaus den 160 Kursteilnehmern Gottes Wort näher bringen, gibt Pastor und Gemeindeleiter Meinrad Schicker zu: «Wir haben eine innere Mission», sagt er. «Wir wollen, dass die Sprachschüler durch uns die Liebe Gottes spüren.» Er betont aber, dass die Kurse kein «Missionsmittel» sind.

Religionswissenschaftler Jörg Stolz stellt solches Engagement der Freikirchen immer häufiger fest. Neustes Beispiel: Der Zusammenschluss der Freikirchen, die Schweizerischen Evangelischen Allianz, will jungen Asylsuchenden religiöse Gastfamilien vermitteln.

«Meistens wird indirekt evangelisiert», sagt Stolz. «Die Freikirchen hoffen, durch ihr Tun Interesse an ihrer Religion zu wecken.» Das sei in den meisten Fällen kaum problematisch. Doch die Behörden müssten auf die Tätigkeiten der Freikirchen ein Auge haben und, wenn nötig, einschreiten.

Kaum Kontrollen

Solche Kontrollen seien aber schwierig, sagt Léa Wertheimer, Mediensprecherin des Staatssekretariats für Migration. Der Bund betreibt in der ganzen Schweiz verschiedene Bundesasylzentren. «Die Asylsuchenden stehen nicht unter dauernder Beobachtung – wir sind deshalb auf ihr Feedback angewiesen.»

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92 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Kompliment, schön, wenn sich Menschen für Menschen engagieren. Die Flüchtlinge haben ja die freie Wahl ob sein den Kurs besuchen, sie werden nicht zwangsevangelisiert oder zwangsgetauft wie früher. Wo liegt das Problem?
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  • Kommentar von Hans Huber (Hans Huber)
    Herr Stolz (und indirekt auch Herr Pressmann), zählt die Religionsfreiheit etwa nur für Schweizer? Wollen Sie Flüchtlingen die freie Wahl verwehren, indem Sie sie vor dem christlichen Glauben schützen? Ich finde das höchst diskriminierend, wenn Ausländern die Möglichkeit verbaut wird, sich für eine andere Religion zu entscheiden. Die Schweiz ist ein Land der Freiheit, nicht der Zensur.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    Und ja, es mag in Biel/Bienne verdammt viele Sozialhilfebezüger geben, die nicht mehr wissen, woher sie eigentlich kamen und warum. Aber mir muss niemand damit kommen, dass zum Beispiel jede Identität im Kanton Zug restlos geklärt sei.
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