Freysinger: «Wir müssen unsere Kinder stark machen»

Wie geht es der Walliser Jugend? Wo besteht konkreter Handlungsbedarf? Diesen Fragen geht der erste Bericht des kantonalen Jugendobservatoriums auf den Grund. Rund 90 Prozent der Jugendlichen im Wallis gehe es gut, dennoch bestehe Handlungsbedarf, sagt Staatsrat Oskar Freysinger.

Eine Familie beim Morgenessen.

Bildlegende: Kinder sollen stark werden – und zwar in der Familie, sagt der Walliser Staatsrat Oskar Freysinger. Keystone/Symbolbild

Der erste Bericht des Kantonalen Jugendobservatoriums zeigt auf, dass es rund 90 Prozent der Jugendlichen im Kanton Wallis gut geht. Doch bei rund zehn Prozent der Jugendlichen bestehe Handlungsbedarf. Dies beispielsweise, wenn es um das Thema Gewalt geht.

In mehr als der Hälfte der polizeilichen Eingriffe wegen ehelicher Gewalt sind Kinder anwesend. Sie müssen zusehen wie beispielsweise ihr Vater ihre Mutter schlägt. Bei 14 Prozent der Opfer von häuslicher Gewalt handelt es sich sogar um Minderjährige, wie die Statistik der Kantonspolizei 2013 aufzeigt.

Oskar Freysinger

Bildlegende: Staatsrat Oskar Freysinger: «Gewaltprävention bei Jugendlichen ist sehr wichtig.» Silvia Graber/SRF

Für den zuständigen Staatsrat Oskar Freysinger ist klar: «Wir müssen unsere Kinder stark machen. Das Fundament dazu wird in der Familie gelegt. Aber auch die Schulen und Vereine müssen ihre Verantwortung wahrnehmen.»

Im Jahr 2013 wurden im Kanton Wallis 273 Fälle von Misshandlungen bei Jugendlichen festgestellt. Darunter fallen körperliche und psychische Verletzungen, Vernachlässigungen und sexuelle Übergriffe. Eine wichtige Anlaufstelle ist das Zentrum für Entwicklung und Therapie des Kindes und Jugendlichen ZET.

«  Eine Fremdplatzierung ist das letzte Mittel. »

Romaine Schnyder
ZET-Direktorin

Romaine Schnyder, kantonale Direktorin des ZET sagt: «Wir versuchen zuerst mit ambulanten Massnahmen zu helfen. Zum Beispiel indem wir eine Sozialpädagogin in eine Familie schicken. Eine Fremdplatzierung ist das letzte Mittel.»

Der Bericht zeigt auf, dass im Kanton Wallis weniger Kinder fremdplatziert werden als in allen anderen Westschweizer Kantonen.

Für Robert Steiner, Chef der Walliser Kriminalpolizei ist das Jugendobservatorium wichtig, damit alle involvierten Stellen die Gewaltprävention vorantreiben können. Das Jugendobservatorium ist ein Pilotprojekt und wird daher vom Bund finanziell unterstützt.