Guttannen kämpft für seinen Pfarrer im Dorf

Der Kanton Bern will sparen: Auch die Kirchen sollen dazu ihren Beitrag leisten. Fünf Millionen Franken, 30 Pfarrer-Stellen. Doch dieser politische Beschluss löst Ängste aus. In Guttannen am Grimselpass bangen die Kirchgänger um den Pfarrer im Dorf.

Die Kirche von Guttannen steht mitten im Dorf. Etwa 100 Plätze bietet sie: Am Sonntag sind diese fast alle besetzt. Ein Mädchen wird getauft. Es ist die letzte Taufe in Guttannen für Pfarrerin Helene Ochsenbein. Sie verlässt die Pfarrei nach 10 Jahren.

Vielleicht ist es aber auch die letzte Taufe überhaupt in Guttannen. Denn eine Nachfolge für Helene Ochsenbein ist noch nicht gefunden. Vielleicht fällt die Pfarrer-Stelle aber auch den Sparbemühungen zum Opfer. «Es sind unsichere Zeiten», sagt die Pfarrerin denn auch in ihrer Predigt.

Nach der Post auch noch die Pfarrerin

Portrait der Pfarrerin,im Hintergrund die Kirchenorgel

Bildlegende: Pfarrerin Helene Ochsenbein aus Guttannen: «Patenschaften für schwächere Kirchgemeinden» SRF

«Die Pfarrerin ist das Herz dieser Kirchgemeinde. Wenn man sie uns nimmt, dann sehe ich schwarz», sagt ein Kirchengänger gegenüber Radio SRF. «Wir sind hier am Ende des Kantons. Uns hat man die Bank genommen, die Poststelle. Aber wir bezahlen doch genau gleich viele Steuern wie die Menschen weiter unten. Es darf nicht immer die Menschen am Rande treffen», ergänzt eine andere Dorfbewohnerin.

300 Menschen leben in Guttannen. Sie erleben Lawinen und Murgänge, müssen mit den Launen der Gebirgswelt leben. «Wenn man uns ein Careteam schickt aus dem Tal, dann ist das nicht dasselbe, wie wenn wir uns an einen Pfarrer oder eine Pfarrerin wenden können, die hier bei uns im Dorf lebt und uns kennt», meint eine weitere Gottesdienst-Besucherin.

Patenschaften für kleine Kirchgemeinden?

100 Kilometer von Guttannen entfernt verteidigt in Bern der BDP-Politiker Mathias Tromp die Sparbemühungen. «Ich bin auch ein Kirchengänger. Aber als Steuerzahler darf ich verlangen, dass auch die Kirche ihre Strukturen überprüft.» Ein Pfarrer pro Kirchgemeinde, das sei nicht zwingend, findet der Politiker.

Auch Pfarrerin Helene Ochsenbein wehrt sich nicht kategorisch gegen die Sparpläne. Aber es brauche andere Lösungen: «Zum Beispiel könnten finanziell starke Kirchgemeinden Patenschaften übernehmen und damit einen Teil der Kosten in schwachen Kirchgemeinden tragen.»

Der Kanton Bern ist ein Unikum: Nur hier werden die Pfarrerlöhne vom Kanton bezahlt. Die aktuelle Diskussion ist deshalb eine finanzielle und eine geistliche Diskussion. Und das Beispiel Guttannen zeigt: Es ist auch eine regionalpolitische Diskussion.

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