«Ich hatte kalte Hände und Schweissausbrüche»

Tillmann Luther, Europameister im Stegreif-Reden über alkoholfreies Bier und schlecht verpackte Diamantenringe - im rhetorischen Sinn.

Wer in Visp wohnt und reformierter Kirchgänger ist, dem wird während der Predigt bestimmt nicht langweilig: Pfarrer Tillmann Luther ist einer der besten Rhetoriker Europas. Er wurde Mitte November in Budapest Europameister im Stegreif-Reden.

«Üben, üben, üben» sagt Tillmann Luther auf die Frage nach seinem Erfolgsrezept. Er sei nicht immer in guter Redner gewesen: «Wenn mehr als zwei Personen im Raum waren, hatte ich kalte Hände und Schweissausbrüche». Dann habe er gemerkt, so geht es nicht weiter.

Zuhören und beobachten

Ein guter Redner müsse nicht nur reden können, sondern auch zuhören und beobachten, sagt Luther im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Dann müsse er Freude daran haben, seine Botschaft bestmöglichst rüberzubringen, «mit einer Einleitung, einem guten Hauptteil und einem einprägsamen Schluss».

Auch der beste Stegreif-Redner Europas ist jedoch manchmal überfragt: Vor ein paar Jahren hätte er beinahe über das Thema «wie misst man die Tiefe des Röstigrabens» referieren müssen. Er sei heilfroh gewesen, habe er ein anderes Thema bekommen. «Bei solchen Themen sage ich: Danke, der Herr hat den Kelch an mir vorübergehen lassen.»