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Bern Freiburg Wallis «Innert einer Stunde sollte ein Psychiater vor Ort sein»

Nachdem ein Häftling in der Strafanstalt Thorberg mit Handschellen an der Wand einer Zelle fixiert worden ist, wurde die Direktion angewiesen, die Massnahme nicht mehr anzuwenden. Häftlinge, die ausrasten, gehören in die Hände von Psychiatern, ist Strafrechtsexperte Benjamin Brägger überzeugt.

Eingangstor der Strafanstalt mit Stangen und Stacheldraht.
Legende: Die Strafanstalt Thorberg wird von der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter kritisiert. Keystone

Weil ein Insasse der Strafanstalt Thorberg die Selbstkontrolle verloren hat, haben ihn die Verantwortlichen der Strafanstalt in einer Sicherheitszelle mittels Handschellen an der Wand fixiert. Und dies während mehreren Stunden.

Angeordnet hatte diese Massnahme Thorberg-Direktor Thomas Egger und zwar ohne die üblicherweise vorangehende Absprache mit dem forensisch-psychiatrischen Dienst der Universität Bern. Bekannt gemacht hatte den Vorfall die Zeitung «Der Bund».

Man habe den Insassen zu seinem eigenen Schutz so fixieren müssen, sagt Thomas Freytag, der Vorsteher des kantonalen Amts für Freiheitsentzug und Betreuung. Diese Massnahme sei drei- bis viermal angewendet worden.

Freytag hat nun angeordnet, dass die entsprechende Sicherheitszelle geschlossen wird und Thorberg-Direktor Thomas Egger nach anderen Möglichkeiten suchen muss, um Gefangene in schwierigen Momenten ruhig zu stellen.

Porträt von Benjamin Brägger.
Legende: Die Fixierung an einer Wand sei nicht mehr zeitgemäss, sagt Strafrechtsexperte Benjamin Brägger. Keystone

Der Strafrechtsexperte Benjamin Brägger hat Verständnis für die Massnahme auf dem Thorberg. Wenn ein Häftling ausraste, müsse er zum Schutz vor sich selber und vor dem Personal ruhig gestellt werden. Eine Fixierungen der Wand entspreche aber nicht mehr dem heutigen Standard.

«Ausrastende Häftlinge gehören in die Hände eines Psychiaters», ist Benjamin Brägger überzeugt. Als Alternative zur Fixierung könne dieser eine Einweisung in eine Anstalt oder eine Ruhigstellung mittels Medikamenten anordnen. Es sei schade, dass die Psychiater nicht in den Haftanstalten selber sind. Dennoch sei es wichtig, dass innerhalb einer Stunde ein Psychiater verfügbar ist.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Schon wieder chancenlos, reale Fakten zu schreiben in einem persönlichen Kommentar! 2. (!) Versuch: Schon wieder werden Psychiater mobilisiert, um den ausrastenden Täter beizustehen! Täterhilfe ohne Grenzen und die Opfer müssen mit all dem brutal Erlebten selber fertig werden! Unsere Kuscheljustiz ist eine weltweit bekannt gewordene "Lachnummer" und Einladung von Kriminellen! Nein, diese Realität verletzt das Netiquette sicher nicht, liebe Redaktion!
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  • Kommentar von S. Steiner (Scott)
    Gefangenen die ausrasten gehören in strenge Einzelhaft und keinesfalls in die Hände eines Psychiaters.
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Wieder einmal wird der schwarze Peter den Vollzugsbehörden angehängt. Die müssen oft das Unmögliche möglich machen. Wenn sie aber immer wieder von den Bürohockern weiterer und weiterer Möglichkeiten beraubt werden, muss man sich nicht wundern, wenn die Leute genug haben. Und die SVP bekommt Zulauf. Bald auch von mir.
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