Kanton gibt Talentförderprojekt auf

Der Kanton Bern hat das Sporttalentförderprojekt Talent-Eye aufgegeben. Eine wissenschaftliche Evaluation hatte ergeben, dass sich aus der Talentselektion, die das Projekt vorsah, keine Prognosen über die sportliche Zukunft der Kinder ableiten lassen. Nun gibt es ein neues Sportförderprojekt.

Kinder klettern an der Sprossenwand.

Bildlegende: Fünf- und sechsjährige Sportopus-Kinder treffen sich jeden Mittwochnachmittag in der Strättligenhalle in Thun. Mireille Guggenbühler/SRF

«Sportopus», so heisst das neue Sportförderprojekt des Kantons Bern. Sportopus ist ein Bewegungsangebot für 5- bis 10-jährige Kinder aller Leistungsstufen. Die Kinder werden von ausgebildeten Sportlehrern polysportiv gefördert. Im Gegensatz zum Vorgängerprojekt Talent-Eye geht es bei diesem Projekt allerdings nicht darum, Kinder zwischen sieben und acht Jahren aufgrund ihres Sporttalents zu selektionieren und auf eine spätere Leistungs- oder gar Spitzensportkarriere hin zu fördern. Bei Sportopus stehen Spass und Freude an der Bewegung im Vordergrund.

Wissenschaft und interne Kontrolle

Dass der Kanton Bern Talent-Eye sang-und klanglos aufgegeben hat, dafür gibt es zwei Gründe:

  • Eine wissenschaftliche Evaluation hatte ergeben, dass sich aus der Talentselektion, welche das Projekt vorsah, keine verlässlichen Zukunftsprognosen ableiten lassen. Oder wie es Achim Conzelmann von der Universität Bern sagt, der das Projekt evaluierte: «Wenn man bei 18-Jährigen deren Leistungsstand ermittelt und eine Prognose wagt, dann ist das möglich. Bei 7 und 8-jährigen Kindern sind solche Prognosen aber unmöglich. Man kann nicht sagen, wie sich ein Kind in den nächsten 12 Jahren entwickeln wird.» Will heissen: Ob es aus einem Siebenjährigen einen späteren Spitzensportler gibt, darüber lässt sich nur spekulieren.
  • Der zweite Grund: Bei einer internen Kontrolle hatte sich gezeigt, dass der Kanton als Veranstalter von Talent-Eye fungierte. Doch von Gesetzes wegen dürfte er dies nicht tun.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation und der internen Kontrolle nahmen die Verantwortlichen des Kantons nun zum Anlass, das neue Sportförderprogramm Sportopus ins Leben zu rufen. Das Programm kostet den Kanton jährlich 30 000 Franken.

Sportopus gibt es erst an fünf Standorten im Kanton Bern. Nun sucht das kantonale Amt für Sport Gemeinden, Schulen und Vereine, die einen Sportopus-Standort aufbauen und als Veranstalter des Programms auftreten würden. Denn die Firma Kidsevents, die bisher als Veranstalter aufgetreten ist, will sich zurückziehen.