Männerfreundschaft unter der Lupe im Zentrum Paul Klee

Das vor zehn Jahren eröffnete Zentrum Paul Klee widmet der Freundschaft von Paul Klee (1879-1940) und Wassily Kandinsky (1866-1944) mit über 180 Werken eine Sonderausstellung. Nie zuvor wurde die Beziehung der beiden Mitbegründer der Klassischen Moderne wissenschaftlich so gründlich untersucht.

«Eine derartig umfangreiche Ausstellung lässt sich nicht von heute auf morgen realisieren - seit fünf Jahren sind wir intensiv am Arbeiten», sagt ZPK-Direktor Peter Fischer im Gespräch mit dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Klee und Kandinsky seien sehr gute Freunde gewesen, ein Leben lang. Die Ausstellung mit 180 Werken sei in dieser Form etwas Einmaliges, so Fischer weiter, «eine solche Ausstellung wird es im ZPK so schnell nicht wieder geben.»

In Deutschland, wo sie den grössten Teil ihres Lebens verbrachten, prägten Paul Klee und Wassily Kandinsky als Avantgardisten mehrere Kunstrichtungen entscheidend mit. Ihr Unterricht am Bauhaus und ihre pädagogischen Schriften übten nachhaltigen Einfluss auf die internationale Kunstszene aus.

Vom «Blauen Reiter» zum Bauhaus

Zu den ersten freundschaftlichen Kontakten kam es 1911 in der von Kandinsky und Franz Marc in München gegründeten Künstlervereinigung «Der Blaue Reiter». Nachdem Klee 1921 als Professor ans Weimarer Bauhaus berufen worden war, folgte ihm Kandinsky ein Jahr später dorthin nach.

Nach der Entlassung an der Düsseldorfer Kunstakademie und am Bauhaus verliessen Klee und Kandinsky im Schicksalsjahr 1933 Deutschland für immer. Während der Russe in die Gegend von Paris übersiedelte, kehrte sein Schweizer Kollege nach Bern zurück.

Schlüsselwerke aus Bern und München

Die von Michael Baumgartner, Annegret Hoberg und Christine Hopfengart subtil kuratierte Ausstellung «Klee & Kandinsky» im Zentrum Paul Klee entstand in Partnerschaft mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus (München), wo sie anschliessend gezeigt wird.

Die meisten Exponate - darunter zahlreiche Schlüsselwerke - stammen aus diesen Kompetenzzentren für die beiden Künstler. Weitere herausragende Werke steuerten unter anderen das Centre Pompidou (Paris) und das Guggenheim Museum (New York) bei.

Chefkurator Michael Baumgartner gelang es, nicht nur die individuelle Entwicklung der beiden Freunde und gelegentlichen Rivalen, sondern auch deren gegenseitige Beeinflussung während drei Jahrzehnten mit glanzvollen Beispielen aufzuzeigen.

Vom Zeichner zum Maler

Mit seinen farbintensiven Bildern, in denen er einen «inneren Klang» zum Ausdruck brachte, hatte Kandinsky den anfänglich nur als Zeichner eigenständigen Klee zur befreienden Beschäftigung mit der Farbe stimuliert.

Erst als Lehrer am Weimarer Bauhaus kamen sich die beiden Künstler und Pädagogen näher. Klee liess sich von Kandinsky zu stärkerer Geometrisierung anregen, beeinflusste andererseits mit figürlichen Elementen den 13 Jahre älteren Kollegen in dessen konstruktivistischen Bildern.

Die Ende der 1920er-Jahre für Klee zu einem wichtigen Gestaltungsmittel gewordene Spritztechnik übernahm Kandinsky wenig später. Auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten reagierten beide Maler in vielen Werken mit dumpfen Brauntönen, die erst nach dem Neubeginn in der Emigration aufgehellter Farbigkeit wichen.

Die Rolle der Musik

Die Auseinandersetzung mit Musik spielte in Leben und Schaffen beider Künstler eine wichtige Rolle. Während sich Klee, selber ein begabter Geiger, in seinen Bildkompositionen mehr für Linearität und Polyphonie interessierte, waren für Kandinsky inspirierende Farbklänge und expressive Klangfarben wichtiger.

Obschon sie in Dessau ein von Walter Gropius erbautes Meister-Doppelhaus bewohnten, legten die beiden Bauhaus-Professoren Wert auf Diskretion. Sie blieben immer per Sie und wahrten, selbst wenn sie sich zum Geburtstag Bilder mit Widmungen schenkten, eine gewisse Distanz.