Pflegepersonal unter Druck - der Berufsverband sucht Lösungen

Der Berner Berufsverband für Pflegefachpersonen hat 2015 rund 570 Gesuche bearbeitet. In über drei Vierteln der Fälle beschwerten sich Mitglieder über verschlechterte Arbeitsbedingungen. Im Dialog mit Führungskräften sucht der Verband nach Lösungen.

Das Bild zeigt eine Pflegefachperson, die eine ältere Frau stützt.

Bildlegende: «Patienten merken sofort, wenn wir Stress haben», sagt Franziska Schranz vom Altersheim Reichenbach. Keystone (Symbolbild)

«Generell kann man sagen, dass es in Pflegeinstitutionen mehr Patienten gibt, aber weniger Personal zur Verfügung steht», sagt Cornelia Klüver, Präsidentin des Berner Berufsverbandes für Pflegefachpersonen. «Die Anforderungen, gerade an das diplomierte Pflegepersonal, sind eindeutig gestiegen.»

Das zeigen auch die Anfragen beim Rechtsdienst des Berufsverbandes. Insgesamt 575 Gesuche gingen im letzten Jahr ein. «In 80 Prozent der Fälle ging es um verschlechterte Arbeitsbedingungen in der Pflege», so Klüver weiter.

Patientinnen und Patienten bemerken Stress sofort

Dass diese Arbeitssituation beim Pflegepersonal an den Patientinnen und Patienten nicht spurlos vorbeigeht, versteht sich von selbst. «Die Bewohnerinnen und Bewohner bemerken sofort, wenn wir Stress haben», sagt Franziska Schranz. Sie leitet den Bereich Pflege im Altersheim Reichenbach im Berner Oberland.

In solchen Situationen ginge es aber darum, hinzuschauen und den Problemen Raum zu geben, sagt Schranz. «Das ist meine Aufgabe als Führungsperson.»

Ausserdem sei es wichtig, gemeinsam kreative Lösungen zu suchen. So habe sie etwa einen ihrer Patienten mit einem GPS-Sender ausgestattet, weil dieser sich angewöhnt habe, jeden Tag einen Ausflug auf den Niesen zu machen. «Dafür war eine Zusammenarbeit mit dem Team der Niesenbahn und des Restaurants Kulm nötig. Das hat geklappt.»

Neue Pflegesituation - neue Arbeitsmodelle

Auch in grösseren Institutionen spürt man die Belastung. «Es ist eine Realität, dass Patientinnen und Patienten immer weniger lange im Spital bleiben. Das führt bei den Mitarbeitenden teilweise zu einer intensiveren Arbeitssituation und zu mehr Arbeitsdruck», sagt Fabian Schwab, Pflegeleiter und Mitglied der Geschäftsleitung des Spitalzentrums Biel.

Probleme gebe es dort, wo man die Arbeitsmodelle nicht auf die neuen Gegebenheiten ausgerichtet habe. Etwa darauf, dass die Patientinnen und Patienten immer mehr mit Spezialisten zu tun haben und die Pflegefachleute deshalb eine Art Drehscheibenfunktion übernehmen.

Hinschauen, über die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Pflege sprechen und neue Arbeitsmodelle erarbeiten, das fordert der Berner Berufsverband für das diplomierte Pflegepersonal. Zusammen mit Führungskräften aus der Pflege möchte der Verband nun konkrete Schritte erarbeiten, um die Situation in den einzelnen Institutionen zu verbessern.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 6:32/17:30 Uhr