Schandfleck oder Kulturdenkmal

Der Kanton Wallis hat ein Buch zur Architektur in den Jahren 1920 bis 1975 publiziert. Darin ist viel Beton zu sehen. Ein klarer Gegensatz zum Bild, das man vom Wallis mit seinen gemütlichen Holz-Chalets hat.

Das Feriendorf in Leuk ist ein bekanntes Beispiel für die moderne Architektur im Wallis.

Bildlegende: Das Feriendorf in Fiesch ist ein bekanntes Beispiel für die moderne Architektur im Wallis. zvg

Die Kirche von Hérémence.

Bildlegende: Die Kirche von Hérémence. zvg

«Mit diesem Buch wollen wir zeigen, dass in der Zeit des wirtschaftlichen Aufbruchs nicht nur eine langweilige Betonlandschaft entstanden ist, sondern auch Bauten von ausserordentlicher architektonischer Qualität», erklärt Anton Ruppen. Der stellvertretende Walliser Kantonsarchitekt findet, der Bauepoche von 1920 bis 1975 sei im Wallis bisher noch zu wenig Anerkennung zuteil geworden.

In dieser Zeit - nach dem Bau der grossen Tunnels am Lötschberg und am Simplon - erlebte der ehemalige Agrarkanton einen beispiellosen Aufschwung. Riesige Staudämme wurden gebaut und mit diesen kam die Industrie ins Land. Diese Stimmung spiegle sich auch in der Architektur wieder, erzählt Ruppen. Zu den monumentalen Brücken- und Dammbauten gesellten sich Häuser, Gewerbebauten und Kirchen aus demselben Material - Beton.

Immer wieder wird als Beispiel die Kirche von Hérémence genannt. Dieser hochgezogene Betonbau steht inmitten der dörflichen Holzhäuser. Auch das Kinderdorf von Leuk vom Architektenpaar Heidi und Peter Wenger gehört zu den bekannten Bauten aus dieser Zeit.