Schlechte Karten für Berner «Grandhotel Schönburg»

Aus dem bisherigen Hauptsitz der Schweizerischen Post in Bern gibt es wohl kein Luxushotel. Für die Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site, die den grossen Bau an bester Lage im Oktober übernommen hat, stehen andere, rentablere Nutzungen im Vordergrund. Berner Touristiker sind enttäuscht.

Ein Gebäude mit dem Post-Logo.

Bildlegende: Wohl keine Zukunft als Grandhotel: Der bisherige Post-Hauptsitz «Schönburg» in Bern. Keystone

Im Frühling 2015 bezieht die Schweizerische Post ihren Hauptsitz in einem Neubau im Wankdorf. Damit wird die bisherige Post-Konzernzentrale «Schönburg» in der Stadt Bern frei für eine neue Nutzung. Die Hoffnung von Bern Tourismus schwindet allerdings, es würde hier an bester Lage ein drittes Luxushotel für Bern entstehen.

Die neue Besitzerin, die schweizweit grösste Immobilienunternehmung Swiss Prime Site aus Olten, lässt Hotelpläne vorerst in der Schublade verschwinden und prüft andere Nutzungen, meldete die Zeitung «Der Bund» am Dienstag. Swiss Prime Site hat die grosse, rund 50-jährige Post-Liegenschaft im Oktober 2014 vom CS-Immobilienfonds übernommen.

«Wir haben sozusagen ein weisses Blatt Papier vor uns und prüfen nun verschiedene Möglichkeiten», sagt Swiss Prime Site-Geschäftsleitungsmitglied Peter Lehmann. Er bestätigt allerdings, dass ein Umbau der «Schönburg» als Hotel nicht mehr im Vordergrund steht. «Wir sagen zwar nicht grundsätzlich nein, aber es muss sich dann auch rechnen. In dieser Lage und mit diesem Terrain ist sehr viel mehr möglich.»

Und so geht der Fächer der Möglichkeiten von der sanften Renovation bis hin zum Abriss, der eine Neuplanung über das ganze Terrain erlauben würde. «Es braucht mehr Dichte und mehr Wertigkeit. Ein Hotel oder ein Hotel mit Wohnungen schafft das kaum», sagt Peter Lehmann von Swiss Prime Site.

Neues Fünfsternhotel: Wenn nicht hier, wo dann?

Markus Lergier, der langjährige Direktor von Bern Tourismus, ist enttäuscht. «Die Schönburg ist der bestmögliche Standort für ein neues Fünfsternhotel», sagt er und verweist darauf, dass Bern mit seinem prosperierenden Städte- und Kongresstourismus dringend auf zusätzliche Betten angewiesen ist. «Es braucht eine gute internationale Hotelkette, die hier einsteigt. Andere haben bewiesen, dass das in Bern innert weniger Jahre ein gutes Geschäft ist.»

Allerdings weiss auch der Berner Tourismusfachmann, dass Hotelneubauten schwierig zu finanzieren sind. Das Hotelgewerbe wirft generell verhältnismässig wenig Rendite ab. Mit einer anderen Nutzung lässt sich mehr Geld verdienen.