Spital Netz Bern und Insel wollen Fusions-Folgen besser erklären

Spital Netz Bern und das Inselspital stecken mitten in der Fusion. Dabei wird der Spitalkuchen in der Stadt und Region Bern neu verteilt. Aber die Verantwortlichen in Bern müssen bei ihrer Kommunikation über die Bücher. Proteste vom Land zwingen sie dazu.

Der Verwaltungsrat von Inselspital und Spital Netz Bern will klarer sagen, wohin die Reise geht.

Bildlegende: Der Verwaltungsrat von Inselspital und Spital Netz Bern will klarer sagen, wohin die Reise geht. Keystone

Aus Gegnern und Konkurrenten werden Partner: Inselspital und Spital Netz Bern vereinigen sich und mischen den Spitalmarkt in der Stadt und Region Bern neu auf. Der heftige Protest, wegen der bevorstehenden Schliessung der Geburtsabteilung im Landspital Riggisberg und Misstrauen im Seeland wegen der Zukunft des Spitals Aarberg, zwingen die Berner aber zu einem kommunikationsmässigen Marschhalt.

Joseph Rohrer, Verwaltungsratspräsident von Inselspital und Spital Netz Bern.

Bildlegende: Joseph Rohrer, Verwaltungsratspräsident von Inselspital und Spital Netz Bern. zvg

«Wir haben gemerkt, dass wir nicht zuerst die Situation in der Stadt Bern bereinigen können. Wir müssen die Spitäler Münsingen, Riggisberg und Aarberg früher mit einbeziehen. Da haben uns die Reaktionen vom Land etwas überholt», gesteht sich der Verwaltungsrat von Insel und Spital Netz Bern ein. Am Entscheid, die Geburtshilfe in Riggisberg im Sommer 2013 zu schliessen, ändert dies allerdings nichts.

Ausrücken gegen Ungläubigkeit und Misstrauen

Zwar haben die Verantwortlichen in Bern stehts versichert, Riggisberg bleibe als Aktutspital mit reduzierter Operationsbereitschaft bestehen und Aarberg habe sogar noch Wachstumspotenzial. Aber in den Landregionen glaubt man diesen Worten nicht.

«Wir müssen ausrücken aufs Land und mit allen Beteiligten reden. Mit Ärzten, Gemeinden und Parteien. Wir wollen die Zielbilder ja gemeinsam entwickeln», verspricht Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer. Diese Gespräche finden diesen Sommer statt, die fertigen Konzepte sollen bis Herbst 2013 stehen.

 Und so definiert Rohrer auch den, auf dem Land eher misstrauisch interpretierten Begriff «Portalspitäler» für Riggisberg, Münsingen und Aarberg. Es seien nicht Durchlauferhitzer für die Stadtspitäler oder für die Insel. Sondern die wohnortsnahen Spitäler für Patienten, die sie auch behandeln können. Aber der Weg in die Stadt sei sehr viel einfacher, wenn es nötig sei. Klar, dass Insel und Spitalnetz damit die Patienten bei sich behalten wollen und sie nicht an die Privatspitäler verlieren wollen.

Fusion an sich auf Kurs

Der Zusammenschluss eröffne Möglichkeiten, die noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wären, erläuterten die Verwaltungsrats-Vizepräsidenten Peter Rychiger und Daniel Hoffet. Zum Beispiel beim Austausch von Ärzten und Fachpersonal zwischen Stadt-, Land- und Universitätsspital. Oder bei der Zuweisung der Patienten. Das dauernd überfüllte Inselspital will Platz schaffen für die wirklich schweren Fälle und dafür die Patienten abgeben, die im Tiefenauspital oder in den Krankenhäuser von Münsingen, Riggisberg oder Aarberg gut aufgehoben sind. «Das dient allen und ist unter dem Strich finanziell erst noch günstiger. Der Kostendruck wird nämlich noch zunehmen», bilanziert Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer.