Strommarkt setzt kleine Energieversorger unter Druck

Ab 2014 können nun auch kleinere Unternehmen frei wählen, wo sie ihren Strom möglichst günstig einkaufen wollen. Das fordert lokale oder regionale Energieversorger und Gemeinden heraus - vor allem, wenn sie ihre Stromvorräte zu Preisen eingekauft haben, die zurzeit zu teuer sind.

Wer kauft wo Strom: Ab 2014 können sich auch KMU frei entscheiden.

Bildlegende: Wer kauft wo Strom: Ab 2014 können sich auch KMU frei entscheiden. Keystone

Dass der weitere Schritt in der Strommarkt-Liberalisierung auch Schattenseiten hat, erlebt die Gemeinde Brienz im Berner Oberland zurzeit hautnah. In Brienz ist die Stromversorgung Sache der Gemeindebetriebe. Jetzt aber bekommen auch kleinere Betriebe von schweizerischen und ausländischen Stromhändlern Angebote, bei denen der Brienzer Strom preislich nicht mithalten kann.

«Da werden Preise angeboten, die tiefer sind als unsere Einkaufspreise. Da können und wollen wir nicht mithalten, weil wir viel zu klein sind und machen den Preiskampf deshalb gar nicht mit», sagt Gemeinderatspräsidentin Annelies Zimmermann.

BKW konkurriert die eigenen Kunden nicht

In weiten Teilen des Kantons Bern und in einigen Solothurner Gemeinden liefert der Berner Stromkonzern BKW entweder direkt ins Netz oder an regionale und lokale Stromversorger. Diese Vertriebspartner will die BKW nicht konkurrenzieren. «Wenn wir Anfragen bekommen, dann leiten wir diese an unsere Partner weiter», bestätigt Antonio Sommavilla von der BKW.

Ob die BKW allerdings bereit ist, den kleinen Energieversorger auch günstigeren Strom zu liefern, damit sie ihre KMU mit einem attraktiveren Strompreis bei der Stange halten können, bleibt offen. «Das muss man von Fall zu Fall anschauen», sagt Sommavilla.

Stromhandel ist ein nerviges Geschäft geworden

Um die Strom-Bedürfnisse der kleineren Energieversorger zu bündeln, gibts seit dem Jahr 2000 die Firma Youility AG, die zu einem Drittel wiederum der BKW gehört. Etwa 130 Versorger sind daran angeschlossen. «Wir rechnen damit, dass das Stromgeschäft noch hektischer wird. Wir beobachten den Markt mit Firmenkunden genau und versuchen, so gut wie möglich zu reagieren», erklärt Anton Pieren, Geschäftsleiter der Steffisburger NetZulg AG.

Der Handel mit elektrischer Energie ist also zum Poker geworden. Mit hochspekulativen Strombörsen-Geschäften innert Minuten. Und mit Termingeschäften, bei denen der Einkäufer eine Nase haben muss, wie sich der Strompreis in den nächsten zwei, drei Jahren entwickelt.

Wird die Suppe so heiss gegessen, wie sie gekocht wurde?

Es komme etwas Bewegung in den Markt, wenn auch auf tiefem Niveau, urteilt die BKW mit Blick auf die weitere Strommarkt-Öffnung. Und Anton Pieren fügt an: «Für kleine Betriebe, die ihren Strom eingekauft haben und nun keinen Spielraum haben, mit dem Preis runterzugehen, wirds schon schwierig.» Allerdings seien die Kunden in aller Regel treu und nicht nur auf den tiefstmöglichen Strompreis versessen.