Swatch-Chefin Arlette Elsa Emch bricht auf zu neuen Ufern

Seit Ende Februar 2013 ist die schweizerische Industrie um eine Topmanagerin ärmer: Arlette Elsa Emch, seit 2009 Chefin von Swatch und Mitglied der Konzernleitung, hat den Ruhestand angetreten. Allerdings sprüht sie nach wie vor vor Ideen. Und die sind zum Teil wahrhaft überraschend.

Arlette Elsa Emch, bis Ende 2013 Topmanagerin bei Swatch und Konzernleitungsmitglied

Bildlegende: Arlette Elsa Emch, Topmanagerin bei Swatch, hat den Ruhestand angetreten - und dabei alle Hände voll zu tun. Keystone

Die Frau aus Pruntrut im Kanton Jura hat eine aussergewöhnliche Karriere hinter sich: mit 19 wird sie zum ersten Mal Mutter, mit 21 zum zweiten Mal, sie jobbte in der Industrie, arbeitete zehn Jahre als Journalistin, danach absolvierte sie ein Studium - 1992 steigt sie als Kommunikationschefin von Swatch beim grössten Uhrenhersteller der Welt ein. «Kinder und Karriere sind immer schwierig, in welchem Alter auch immer. Aber es geht. Man sollte nur das ewige schlechte Gewissen ablegen.»

Der Durchbruch ins Topmanagement schaffte Arlette Elsa Emch, als sie sich beim Swatch-Seniorchef Nicolas Hayek spontan um den Job als Direktorin einer der Uhrenfabriken bewarb. Ein halbes Jahr später sagte der Patron: «Sie wollen eine Firma. Ich habe eine für Sie...» Es war Calvin Klein. 2009 bis Mitte 2012 übernahm Arlette Elsa Emch die Leitung von Swatch, bis Ende Februar 2013 gehörte sie der Konzernleitung an. Damit gehörte Arlette Elsa Emch zu den - raren - Topmanagerinnen in der Schweizer Industrie.

Keine Frauenquoten - aber so etwas wie eine 1. Linie...

Nach ihrem Rückzug aus dem Berufsleben wäre Arlette Elsa Emch durchaus zu haben für Mandate in Verwaltungsräten - aber die Anfragen sind noch spärlich. «Ich staune etwas. Frauen können solche Jobs genau so gut machen wie Männer - aber sie müssen es wagen, mit Selbstvertrauen und Leidenschaft für den Job».

Gegen Frauenquoten in den Kaderstellen ist sie immer noch - wenn auch nicht mehr so absolut wie früher. «Vielleicht wäre es gut, wenn Frauen bei gleicher Kompetenz wie Männer zumindest am Anfang bevorzugt würden. So etwas wie eine 1. Linie», sinniert Arlette Elsa Emch im Sonntagsgast-Gespräch im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von SRF 1. Dass sie quasi als Vorzeige-Topmanagerin galt, hat sie während ihrer aktiven Swatch-Zeit nicht interessiert: «Ich habe es gar nicht bemerkt, so lange ich mitten drin war in meiner Aufgabe.»

Beraterin, Buchautorin, erdgeschichtliches Museum im Kanton Jura

Inzwischen hat sie die Vorzüge des Ruhestandsleben schätzen gelernt. Sie hat eine eigene Beratungsfirma gegründet, die sie schon stark auf Trab hält. Dazu sind zwei Bücher über die Welt der Uhren und der Mode unterwegs - und Arlette Elsa Emch hat Museumspläne. «Erdgeschichtliche Funde zeigen, dass auf 30 Quadratkilometern im Kanton Jura alles da ist, was das Leben in den vergangenen 152 Millionen Jahre erschaffen hat. Das wollen wir in einem schönen Museum zeigen».

Dazu ist Arlette Elsa Emch Botschafterin des Kantons Jura und Präsidentin der Gesellschaft der Jurassier in der Fremde. «Ich war seit dem 16. Altersjahr bis vor fünf Jahren nie mehr im Jura. Aber ich habe meine Heimat neu entdeckt. Alles ist noch da, die Düfte und die Eindrücke aus der Jugend. Es ist sehr schön.»