Arbeit statt Sozialhilfe Und wer hat die Jobs, um Sozialhilfebezüger anzustellen?

Das revidierte bernische Sozialhilfegesetz will erreichen, dass mehr Sozialhilfebezüger den Weg zurück in die Arbeitswelt suchen. Nur – wo sind die Jobs, die dafür gebraucht werden? Die Berner KMU-Wirtschaft kann das Problem wohl nicht lösen, stellt der Verbandsdirektor klar.

Eisenleger auf der Baustelle.

Bildlegende: Arbeit soll Sozialhilfe ablösen. Aber wer hat die Jobs dafür? Keystone

Wer sich bemüht, eine Arbeit zu finden, wird in der künftigen bernischen Sozialhilfe-Gesetzgebung belohnt. Aber der Anreiz funktioniert nur, wenn es dafür in der Wirtschaft genug Stellen gibt. Und da ist Christoph Erb, Direktor des Wirtschaftsverbandes Berner KMU, skeptisch. Seine Argumente:

  • Die KMU haben einen Fachkräftemangel, nicht einen Personalmangel.
  • Wer lange weg war aus dem Arbeitsprozess und nicht zu den Fähigen in seinem Beruf gehört, wird es schwer haben, einen Job zu finden.
  • Die Unternehmen sind immer weniger in der Lage, die nötige Betreuung zu gewährleisten oder Mitarbeiter mit reduziertem Leistungsvermögen zu behalten.
Berner KMU-Direktor Christoph Erb am Rednerpult.

Bildlegende: Christoph Erb, Direktor des Wirtschaftsverbandes Berner KMU. zvg

Christoph Erb bezweifelt deshalb, dass die «Anreiz-Idee» in der heutigen Wirtschaftswelt funktioniert. «Die Unternehmen können nicht einfach übernehmen, was Sozialdienste machen müssen», so sein Klartext.

Der KMU-Direktor streitet nicht ab, dass die Wirtschaft froh ist um die zahlreichen Stiftungen und Organisationen, die sich um die Integration von Sozialhilfebezügern in die Arbeitswelt kümmern.

«Jobtimal» zeigt, dass es trotzdem geht

So eine Institution ist «Jobtimal», eine Erfindung des Berner Lift-Unternehmers und HIV-Präsidenten Bernhard Emch. Er bestreitet nicht, dass die Schweizer Wirtschaft unter Druck ist und wenig Spielraum hat, Leute mit Leistungsdefiziten einzustellen.

Bernhard Emch in einer Lifttüre.

Bildlegende: Bernhard Emch, Berner Unternehmer, HIV-Präsident und Erfinder des Teillohn-Programmes Jobtimal. Christian Strübin/SRF

In den letzten vier Jahren aber hat «Jobtimal» 60 Sozialhilfebezüger erfolgreich in den Arbeitsprozess zurückgebracht.

Dauerhafte Lösungen gesucht

Gesucht werden nur Firmen, die wirklichen Bedarf nach solchen Leuten haben, bilanziert Bernhard Emch. «Wir wollen ja nicht, dass die Leute nach kurzer Zeit wieder aussteigen.»

Für Bernhard Emch sind die Absichten des Kantons, die Berufsintegration zu forcieren, sogar hilfreich. Konsequenterweise bräuchte es jetzt im Kompetenzzentrum Arbeit der Stadt Bern auch mehr Stellen für die Vermittlung.

Aber er sagt auch: «Jetzt ist Augenmass am Platz. Wenn jetzt eine Welle kommt und alle sagen, die Wirtschaft soll das Problem mit der Berufsintegration lösen, dann funktioniert das nicht.»

Das Teil-Lohn-Modell Jobtimal

Jobtimal stellt die Leute ein und vermittelt sie an Unternehmen, in der Hoffnung, dass sich daraus eine feste Anstellung ergibt. Der Arbeitgeber bezahlt dabei nur den Lohn für die Leistung, die er erhalten hat. Den Rest übernimmt der Sozialdienst oder die Arbeitslosenkasse. Win-Win-Situation, sagt Erfinder Bernhard Emch.