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Widerstand in Leissigen Heftige Diskussionen um BLS-Baupläne

Die Pläne der BLS, in Leissigen eine Kreuzungsstelle und eine Abstellanlage zu bauen, kommen im Dorf nicht gut an.

An einer Informationsveranstaltung der BLS im Gemeindesaal in Leissigen am Dienstagabend, gab es heftige Diskussionen. Die etwa 120 Leute, die im Saal sassen, übten Kritik am Projekt des Bahnunternehmens.

Die Pläne der BLS:

  • Im Dorf ist eine 560 Meter lange Kreuzungsstelle geplant, östlich des heutigen Bahnhofs. Diese ist nötig, damit die künftig längeren Fernverkehrszüge kreuzen können.
  • In der Nähe des Dorfeingangs auf der Westseite, im Gebiet Seebacher, soll es eine dreigleisige Abstellanlage zum Rangieren geben.
  • Und die BLS möchte einige Schienenkurven begradigen, damit die Züge künftig mit 90 anstatt 75 Stundenkilometern fahren können.

Die Vertreter der BLS hatten am Dienstagabend einen schweren Stand. Viele Leissiger sind nicht bereit, die Pläne zu akzeptieren. Besonders kritisiert werden die Begradigung der Kurven und die oberirdischen Speiseleitungen.

Durch die Begradigung können die Züge auf 90 Stundenkilometer beschleunigen. Allerdings nur für eine sehr kurze Strecke. Die Begradigung bringe gerade einmal eine Zeitersparnis von acht Sekunden, so ein Mann im Publikum. Dafür seien die Einbussen der Bewohnerin des Hauses neben der Kurve massiv.

Die Frau hat dann eine 11 Meter hohe Wand vor der Haustüre.
Mann im Publikum

Der zweite Hauptkritikpunkt sind die oberirdischen Speiseleitungen. Diese verursachen eine starke Strahlung. Die BLS muss ein sogenanntes Verschlechterungsverbot einhalten, das heisst, die Strahlung darf nach dem Bau nicht höher sein als jetzt. Der ehemalige Gemeindepräsident Beat Steuri, der als vehementer Kritiker des BLS-Projekts auftritt, sagte, die Leitungen gehörten unter den Boden. Die BLS könne das Verschlechterungsverbot nicht einhalten.

Müssen wir mit ETH-Professoren bis vor Bundesgericht um euch zu überzeugen, dass die Leitungen in den Boden müssen?
Autor: Beat SteuriEhemaliger Gemeindepräsident Leissigen

Der Projektleiter der BLS, Arthur Hitz, betonte, das Projekt werde jetzt so öffentlich aufgelegt wie es ausgearbeitet wurde. Was die Verlegung der Speiseleitungen unter den Boden angeht, zeige sich das Bahnunternehmen aber gesprächsbereit. Bei der Begradigung der Kurven sei aber nichts zu machen. «Wir haben andere Optik. Wir investieren hier dutzende Millionen Franken, deshalb denken wir zukunftsgerichet. Wir gehen dort, wo wir können auf 90 Stundenkilometer, auch wenn man sonst zwischen Spiez und Interlaken noch länger nicht so schnell fahren kann.»

BLS rechnet mit Einsprachen

Auch aufgrund des Informationsanlasses rechnet Projektleiter Arthur Hitz mit Einsprachen bei der öffentlichen Auflegung. Er habe keine Probleme damit. «Jeder Direktbetroffene hat das Recht, für seine Interessen einzustehen.» Dass durch die Einsprachen der Baustart, der für Anfangs 2020 geplant ist, verschoben werden muss, sei möglich, so BLS-Projektleiter Hitz.

Der Bevölkerung von Leissigen sticht in die Nase, dass der Bahnhof im Dezember 2020 geschlossen wird – so hat es das Berner Kantonsparlament entschieden. Man profitiere nicht mehr vom Bahnverkehr, so der Tenor der Leissiger. Deshalb wolle das Dorf auch nicht mit den negativen Auswirkungen des BLS-Projekts leben.

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