«Wir haben sicher 110 Fälle pro Sozialarbeiter»

Seit der Einführung der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden im Kanton Bern sind die kommunalen Vormundschaftskomissionen Geschichte. Die Vereinheitlichung des Systems führte aber zu einer Mehrbelastung der Sozialdienste. Belp hat bereits die Reissleine gezogen.

Symbolbild.

Bildlegende: Das neue System beim Kindes- und Erwachsenenschutz ist umstritten. Keystone

Der Regionale Sozialdienst Belp schrieb seinen Klienten einen ungewöhnlichen Brief. Diese sollten sich nur in begründeten Ausnahmefällen melden. Anzahl und Dauer von Gesprächsterminen könnten sich reduzieren.

«Seit die kantonalen Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden die Entscheidungskompetenz haben, haben wir mehr Arbeit», erzählt Martin Schlapbach, der Leiter der Abteilung Soziales in Belp, gegenüber dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. «Wir haben rund 110 Fälle pro Sozialarbeiter. Vor dem Systemwechsel waren es 80 bis 100.» Das Problem sei, dass die neue Behörde häufig Abklärungen für Fälle verlange, nur weil sie diese zu wenig kenne. «Als wir die Kompetenz noch in der Gemeinde hatten, war es einfacher eine Situation einzuschätzen.»

Ähnlich sieht dies auch Andreas Hegg, der Gemeindepräsident von Lyss: «Wenn im Kanton rund 130 Leute eingestellt werden, dann erwarte ich, dass man an einem anderen Ort Einsparungen machen kann. Mit der momentanen Situation bin ich nicht zufrieden.»

Behörden wehren sich

Bei den kantonalen Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden wehrt man sich: «Das neue System muss sich einspielen, dass gehört zur Startphase. Eine solche Restrukturierung braucht sicher zwei Jahre», erklärt Jürg Eberhart, Präsident der Behörden.