Bio-Umstellung: Experten sind skeptisch

Die Pläne der Bündner Weinbauverbands zur grossen Umstellung auf biologischen Anbau lösen gemischte Reaktionen aus. Insbesondere der Zeitplan sei kaum einzuhalten, heisst es.

Weinbauer kippt Kessel mit Trauben aus

Bildlegende: In Zeiten des Biobooms sollen Bündner Winzer vom konventionellen Anbau auf Bioweine umstellen. Keystone

Fast alle Bündner Winzer produzieren heute mit konventionellen Methoden. Dies bedeutet, dass sie regelmässig chemische Spritzmittel einsetzen, um die Trauben vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen.

Das Problem dabei: Die Mittel führen zu Resistenzen und oft nützen sie nichts mehr. Zudem kann der Einsatz der Mittel auch zu Folgeschäden führen. «Immer wieder müssen wir neue Mittel einsetzen, oft mit einem unguten Gefühl», sagt Georg Fromm, Präsident der Bündner Weinbauern.

Richtungswechsel gefordert

Es sei an der Zeit, neue Wege zu beschreiten, findet die Geschäftsleitung des Verbandes der Bündner Weinbauern. Deshalb sollen die Winzer dazu bewegt werden, von konventionellen Anbaumethoden auf den biologischen Anbau umzuschwenken.

Bereits in vier Jahren sollen 60 Prozent aller Bündner Weinbauflächen biologisch bewirtschaftet werden. Gleichzeitig sollen bis dahin 80 Prozent der Anbauflächen herbizidfrei sein, also nicht mehr mit synthetischen Unkrautvertilgern bearbeitet werden. Die Winzer sollen aber nicht gezwungen werden zu einem Wechsel, sie sollen freiwillig mitmachen.

Bioweine als Marketinginstrument

Noch ist das Ganze erst eine Idee. In den nächsten Wochen und Monaten sollen die Mitglieder des Weinbauverbandes darüber informiert werden. Man werde viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, sagt Weinbaupräsident Georg Fromm. Doch es sei der richtige Zeitpunkt für den Wechsel: «Viele junge Winzer sind offen für Veränderungen, auch gibt es einen gewissen gesellschaftlichen Druck. Die Leute wollen heute nachhaltig produzierte Produkte kaufen, dies gilt auch für den Wein.»

Und, hofft Georg Fromm im Gespräch mit dem Regionaljournal Graubünden: «Wenn die Winzer mitmachen, ist das nicht nur gut für die Umwelt und unsere Produkte, das Ganze ist auch ein Marketinginstrument». Wenn es nach dem Bündner Weinbauverband geht, wird Graubünden die erste Hochburg für Schweizer Bioweine werden.

Eine Umfrage bei mehreren Experten zeigt, der Zeitplan des Weinbauverbands ist ehrgeizig. Vielleicht sogar zu ehrgeizig. Der Bündner Rebbaukommissär Hans Jüstrich etwa sagt: «Das dieses Ziel erreicht wird, ist unrealistisch.» Optimistischer ist Andreas Häfeli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Wenn so etwas gelingen könne, dann in der Bündner Herrschaft. Auch er sagt aber, es brauche wohl mehr als vier Jahre.